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Yes - Symphonic Live 

05.09.2010

Die Legende lebt weiter. Obwohl wenige Großtaten über Jahre zu vernehmen gewesen sind, zieht das Amsterdamer Gastspiel von Yes 2001 Tausende an. Allerdings stützt eine Besonderheit den geradezu einmaligen Eventcharakter. Eines der Mutterschiffe des Prog-Rock tritt nämlich gemeinsam mit dem European Festival Orchestra vor das Publikum.

Yes - Symphonic LiveYes - Symphonic LiveSämtliche Vorzüge sowie respektive das Unerträgliche am Werk von Jon Anderson, Steve Howe, Chris Squire und Alan White treten dadurch noch stärker hervor. Der pompöse Rock der Band wird pompöser, die kitschigen Balladen noch kitschiger, zu den klassischen Arrangements hochtrabender Passagen addiert der Klangkörper des klassischen Orchesterinstrumentatiums zusätzliche Kunstmusikalität. Damit dürfte auch "Symphonic Live" auf das potentielle Wohnzimmerpublikum polarisierend einwirken. Denn, wer gerade der Bombastseite des Yes-Schaffens wenig abgewinnen konnte, wird die opulente Inszenierung der großen Momente der Bandvergangenheit, "Roundabout", "I´ve Seen All Good People", "Starship Trooper" oder "Close To The Edge", scheuen. Oder strikt ablehnen.

Wer Klassik mit Rock kombiniert verträgt, wird die DVD lieben. Bild- und Tonqualität überzeugen über die gesamte zweieinhalbstündige Spielzeit. Und besonders erfreuen dürfte die sichtbare Spielfreude der Musizierenden des European Festival Orchestra. Auch das schier unglaublich große Publikum ist über die gesamte Konzertzeit angetan von den komplexen Rocksongs und gewaltigen Balladen. Standing Ovations sind keine Seltenheit.

Bleibt ansonsten nur festzuhalten, dass Yes wirklich zu den Rockdinosauriern mutiert sind, für welche sie bereits die erste britische Punkgeneration ab 1976 gehalten hat. Gerade Drummer White, Squire, in Leggings, und der in wallende Gewänder gehüllte Sänger Anderson passen nur auf die Bühne, mit all diesen einstudierten Intensitätsposen, großen Gesten und der Scheinintensität veralteter Rockmimiken. Dereinst schon ein übellauniger Vorwurf, nun Realität. Das Rebellische des Rock hat nie Einzug erhalten bei Yes - vom Destruktiven ganz zu schweigen. Die Gruppe steht für Tonkunst im tatsächlich klassischen Sinn. Viel zu selbstverliebt und ernsthaft ist seit jeher die Auseinandersetzung mit komplexen Strukturen und genialischen Arrangements. Virtuosität und sehnendes Schmachten bestimmen das Geschehen. Da kommt ein Orchester immer zur rechten Zeit für überlebensgroße Inszenierungen. Faszinierend.

T. Stalling

http://www.yesworld.com | http://www.eagle-rock.com | http://www.yesfans.com

 

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