 Wenn man beim Bild bleiben will, so steht das eine Bein auf hart-komplexen Instrumentalnummern („At The Gates Of Manala“, „2010“), das andere auf gesangsbefeuerten Hitparadennummern, wie sie auch von Durchschnittskappellen wie Nickelback stammen könnten. Unrühmlicher Höhepunkt ist hier wieder mal eine pathetische Powerballade der Marke „Bittersweet“, die diesmal „Broken Pieces“ heißt und von Flyleaf-Sängerin Lacey Mosley schwülstig eingesäuselt wurde. Das mag 15-jährige Gothicgirls Tränen in die Augen treiben. Mir sicherlich nicht – höchstens Trauertränen.Denn wie groß war die Hoffnung noch vor zehn Jahren, als das dritte Album „Cult“ erschien. Hier brillierte die Band nicht nur mit grandiosen Kompositionen, hier wirkte auch alles noch ehrlich. Bei „7th Symphony“ dagegen drängt sich der Eindruck auf, als würden die Mannen um Eicca Toppinen – vielleicht als halberzwungenes Zugeständnis an die Vermarktungsstrategie des Plattenlabels – mit den Gesangsnummern (ausgenommen „Bring Them To Light“ mit Joe Duplantier von Gojira) die aalglatte Kommerzoffensive weiter forcieren. Zugleich hat man das Gefühl, dass die Musiker dieses Zugeständnis durch anspruchsvolle, ja avantgardistische Instrumentals kompensieren und sich so den kreativen Freiraum erspielen und ein Plätzchen Selbstverwirklichung sichern wollen. Für den Hörer aber ergibt sich besagter Spagat, der gerade Fans der ersten Stunde enttäuscht – und auch verärgert. Christian Liederer
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