 Bei der Firma will das leider nicht ganz funktionieren. Gab es früher immer eine Handvoll Songs, die vor dem inneren Auge des Hörers einen ganzen Kinofilm-Thriller ablaufen ließen und deshalb rauf und runter gehört werden konnten, wurden diese Glanzstücke immer weniger bis sie auf dem sechsten Album ganz verschwinden.Doch fangen wir anders herum an: Was ich bei Die Firma schon immer mochte, war die Fähigkeit des Beat-Produzenten Daniel Sluga (aka Fader Gladiator), für seine Tracks die passenden Samples aus dem reichhaltigen Fundus der klassischen Orchestermusik zu finden. Passend illustriert wird das auf seinem Produzenten-Album "Hits & Raritäten". Die Beats wurden besser und diesmal setzt die Band dem Ganzen die Krone auf. Mit einem 50-Mann-starken Sinfonieorchester wurden die klassischen Instrumente nicht nur gesampelt, sondern direkt nach den Wünschen von Fader Gladiator eingespielt. Das haben schon andere Bands vor der Firma probiert, zum Beispiel Metallica mit "S&M", KISS mit "Alive IV" und auch von Linkin Park gibt es mit "In The Chamber" eine Streichquartett-Variante. Die Ergebnisse sind - gelinge gesagt - meist bescheiden. Nicht so beim Firma-Orchester. Im Gegensatz zu den Samples ermöglichen die Live-Aufnahmen eine bessere Soundqualität und viel mehr Abwechslung, die sofort hörbar ist. Gäbe es "Das sechste Kapitel" als Instrumentalversion, würde ich sofort beide Daumen in die Höhe reißen! (Update: Es gibt das Album auch als "Special Edition" mit zwei CDs, wobei die zweite CD nur die Instrumentalversionen enthält.) Aber die Inhalte bleiben bei dem musikalischen Höhenflug auf dem Boden. Die Geschichten, wie sie in Songs wie "Auf der anderen Seite des Mondes", "Im Nebel der Geschichte" oder "Nachricht aus Utopia" erzählt wurden, fehlen gänzlich. Die 19 Tracks setzen sich jetzt zu je einem Drittel aus platten Battle-Tracks ("First Class", "Realität"), seichten Gefühlsduseleien ("Stille", "Ich seh dich gehn") und semi-amüsanten Faxen ("Sonnenbrille", "Elefant"). Letzterer Song erinnert mich auch stark an "Tierisch" vom aktuellen Dendemann-Album "Vom Vintage verweht". Der beste Part auf dem Album ist leider das Feature von Curse im Song "Ich brauch keinen". Jungs, wir wollen wieder Verschwörungstheorien, Weltuntergangszenarien, Verfolgungsjadgen und Science-Fiction-Epen! Den Soundtrack dazu habt ihr ja schon.
Robert Kneschke
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