 Terrible Love - Die Platte eröffnet mit tief schwurbelndem Rauschen, aus dem sich jedoch schon bald eine zarte Gitarrenlinie, wunde Streicher und ein reduziertes, aber gewaltiges Piano erheben. Die Dramaturgie mit großem Crescendo samt Chor hinten raus überrascht für einen Opener.Sorrow - Eine schwere Wehklage, bei deren Leadzeile "I don’t wanna get over you" jedes Herz zerknittert. Dafür, dass das trotzdem manchmal irgendwie Pop ist, kann man die Band bewundern - oder hassen. Anyone’s Ghost - Eine Entscheidung, die hier etwas leichter fällt, ist doch bei aller textlichen Vergleichbarkeit zum Vortrack der Beat zu schön, das Songwriting zu rund, als dass man sich ihm entziehen wollte oder könnte. Unbedingt als Single-Auskopplung vorstellbar auch. Little Faith - Zeit für einen Tempowechsel und für eines der zartesten, gleichsam komplexesten Stücke von The National überhaupt. Zauberhaft farbig ausinstrumentierte fünf Minuten in einer einzigen Pracht... Afraid Of Everyone - ...ehe der Kummer wieder über dem Hörer zusammenschlägt, nur um sich nach rund anderthalb Minuten in galgentrotzigem Stolz freizutanzen. Nie schien die große Angst erträglicher als in diesem kühnen, verblüffenden Song. Bloodbuzz Ohio - Die erste Single aus "High Violet" kommt den Hymnen, für die die Menschen die letzten zwei Alben von The National lieben gelernt haben, wohl am nächsten. Merkt man auch am Feedback, das der grandios elegant geschriebenen Nummer live völlig zu Recht widerfährt. Lemonworld - Findet sich ebenfalls bereits in den aktuellen Setlists wieder, kein Wunder bei einem Hammond-Orgel-begleiteten Singalong-Refrain wie "you and your sister live in a lemonworld." Runaway - Es wird wieder ganz still. So zerbrechlich wirken die Arrangements, dass man unwillkürlich innehält, um ja nichts zu zerstören, nichts zu versäumen. Ein wahrhaftiger Sonnenuntergang von einem Song. Wunderschön! Coversation 16 - Ein flottes Schlagzeug führt zurück in die Welt, in der aber immer noch Wehmut regiert. Keine Überraschungen also, das wohl schwächste Stück der Platte. England - Gefolgt von ihrem längsten, dessen Struktur man wegen des band-untypischen Songwritings einfach nicht so recht Herr werden mag. Einige große Momente in den Lyrics trösten über diese Unsicherheit hinweg. Vanderlyle Crybaby Geeks - Ein rührender Farewell-Singalong mit dicker Abschiedsträne im Augenwinkel und schmerzgelittener Geige lässt "High Violet" auf einer demütigen, verwirrend versöhnlichen Note enden. Friedrich Reip
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