 Freundlich wie bescheiden führt Pianist Stefan Rusconi mit Zwischenansagen durch den Abend. Am Steinway leitet er das ehemals Rusconi Trio getaufte Ensemble. Wie sehr Fabian Gisler am Bass und Schlagzeuger Claudio Strüby mittlerweile die Gestalt der Musik und gerade ihre konzertantische Ausgestaltung mitbestimmen, dies verdeutlicht allein schon der Verzicht auf die hierarchische Bestimmung des ursprünglichen Bandnamens.
"One Up Down Left Right", das noch aktuelle Album der Schweizer, zog Lobeshymnen der Jazzkritil nach sich. Und dies zurecht. Gleich zu Beginn des Packhaus-Konzerts allerdings eröffnet das Trio bereits einen neuen Weg und gewährt damit einen lohnenden akustischen Ausblick auf die Zukunft Rusconis. Das kommende Album bringt schließlich eine entscheidende Entwicklung.
Nachdem bereits Eigenkompositionen für den Nachfolger von "One Up Down Left Right" einstudiert worden waren, entschied die Gruppe sich gegen die geplanten Aufnahmen – dabei klingen die letzten bekannten Rusconi-Stücke ausgesprochen elegant und erfrischend. Nun wird ein Album erscheinen, welches eigenwillige Interpretationen von Kompositionen der berühmten, wie auch berüchtigten New Yorker Gitarrenavantgarde-Gruppe Sonic Youth offeriert.
Und das Rusconi-Konzert verrät, für diesen gewagten Schritt sind die drei Schweizer zu umarmen. Von atemberaubender Schönheit sind die Ereignisse, welche das Trio den ursprünglich oft lärmenden Originalen entnimmt. Das Vorgehen ist respektvoll und zugleich risikobereit, konzentriert und dennoch experimentell. Selten ist ein kleines Jazzensemble, wie das Trio, derart dynamisch und spannungsreich, stilvoll und dennoch mit dem gängigen Jazz urspünglich fernen Fremdmaterial umgegangen. Piano, Bass und Schlagzeug schaffen eine schier magische Atmosphäre. Eine bravouröse Offenbarung: Rusconi trifft auf Sonic Youth.
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