
Eine Sonderstellung im "Classics"-Set nimmt das älteste Album ein. Gemeinsam mit Alice Coltrane aufgenommen, entfernt sich Santana auf "Illuminations" sehr weit von seinem lateinamerikanisch rhythmisierten Rock, für den er berühmt geworden ist. Aus ihrem eigenen Vokabular, als dialogisierendes Duo autonome Klangsskulpturen entwickelnd, aus der Stille heraus, entsteht ein faszinierendes Werk, bestehend aus immer intensiveren Musikmeditationen. Eingangs ertönen Klangflächen ohne eindeutiges Metrum, welche, als Grundvoraussetzung, in sich selbst ruhen. Ebenso wie die Musizierenden sind die Stücke: forschend und nach Erleuchtung suchend. Dann integrieren Santana und Coltrane rhythmische Elemente. Es bleibt eine verblüffende Reise in die Trance.
"Golden Reality" und "The Swing Of Delight" präsentieren Santana dann ebenso experimentierfreudig im Bandgefüge. Allerdings sind diese Alben geprägt von der Auseinandersetzung mit zeitgenössischen musikalischen Strömungen ihres Entstehens. Gerade das etwas aktuellere der beiden, "The Swing Of Delight", überzeugt durch prächtig arrangierte und inszenierte Funk-Jazz-Rock-Fusionen, strahlende Anleihen von Discofunk, tanzbare Grooves, einfühlsame Balladen, Popelemente, der bewährten lateinamerikanischen Perkussion, der Integration von arabischen Skalen - wie in "Phuler Matan" - und natürlich Santanas hochmelodisches Gitarrenspiel.
Gerade diese Auseinandersetzung mit der Tradition einerseits, auch die Konzertgitarre ist beteiligt, genauso andererseits auch der Umgang mit aktuellen Zeitströmungen - namentlich, wie erwähnt, Disco und auch avancierte Popmusik -, überzeugt noch dreißig Jahre nach der Erstveröffentlichung. Mal verspielt oder opulent, dann wieder äußerst gradlinig: Santana verbindet seine Einflüsse charmant und nahezu formvollendet.
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