 Gleich geblieben ist lediglich die Vorliebe für das verschleppte Tempo der meisten ihrer Tracks. Ansonsten haben Daddy G und 3 D einstigen Gestaltungselementen die Koffer gepackt. Mit diesen wärmenden, von tiefen Bässen getragenen, von sanften Synth-Schlieren umhauchten, immer auf eine Fortschreibung elektronischer Reggae-Soul-Fusionen und entschleunigtem Hip Hop fußenden Klaustrophobie-Sahnestücken, wurde konsequent abgerechnet. Einzig Horace Andys Stimme bleibt erhalten und erinnert stark an die Vergangenheit der Gruppe.Klanglich ist Massive Attack heute noch flexibler, bisweilen auch nahezu frohlockend vor ungekannter Leichtigkeit. Und auch das Bezugssystem ist offener als je zuvor – in Sound wie Gästeliste: Martina Topley-Bird, Singstimme früher Tricky-Aufnahmen singt auf Heligoland, ebenso Tunde Adebimpe von TV On The Radio, Elbows Guy Garvey und Damon Albarn. Im Ergebnis sind die hypnotischen Qualitäten geblieben. Doch mit deutlichen Verweisen auf und zu Gospel, nahezu sämtlichen Erscheinungsformen des Krautrock, elektronischem Minimalismus, dissonanter Orchestermusik, Spacerock, Latin, Jazz und düsterem Synth-Pop schneidet Heligoland jeglicher Nostalgie den Weg ins aktuelle Geschehen ab. Gut so, denn damit ist ein Album entstanden, welches der Gruppe nach dem flüchtigen "100th Widow" wohl niemand, Beteiligte eingeschlossen, zugetraut hätte. Massive Attack sind nun frei und klingend fasznierend wie nie zuvor.
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