 "Christ Illusion" war eine ordentliche Thrash-Metal-Ohrfeige – nicht Slayers bestes Album, aber auch nicht das schlechteste. "World Painted Blood" schlägt ebenso zu und lässt sich ebenfalls im Mittelfeld der bisherigen Veröffentlichungen nieder. Im Vergleich zum etwas arg gleichförmig klingenden Vorgänger kann es jedoch durch größere Experimentierfreude punkten.Das Material, aus dem die neuen Songs geformt sind, ist freilich altbekannt: Härte, Hass, kontrolliertes Chaos ... Slayer sind sich treu geblieben; aber wer genau hinhört, wird neue Aspekte finden, z.B. bei dem höchst interessanten, dramatisch eskalierenden "Beauty through order"; dagegen wirken "Reign-in-blood"-Reminiszensen wie "Unit 731" oder "Psychopathy Red" fast altbacken, auch wenn sie zu gefallen wissen. Generell bilden die zahlreichen überraschenden Breaks, die vielen Stopps, Slow-Downs und Speed-Ups, die fast allen Kompositionen mehr Dynamik und Abwechslung verleihen, schöne Ausbrecher aus der drohenden Vorhersehbarkeit, von der gerade Bands betroffen sind, die so wie Slayer Jahrzehnte im Geschäft sind. "Human Strain" etwa, um ein Beispiel zu nennen, sorgt in seinem Mittelteil für einen großen Überraschungsmoment, ebenso der Titelsong; aber auch das Gitarrenspiel von "Playing with dolls" klingt ungewöhnlich. Es sind genau diese unerwarteten neuen Facetten, die "World Painted Blood" über den Vorgänger heben und zu einem starken Album machen, das jeder Slayer-Fan in sein finsteres Herz schließen wird – auch wenn "Reign in blood", "South of heaven" und "Seasons in the abyss" die Höhepunkte im Oeuvre der Band bleiben. Verglichen mit diesen Meilensteinen fehlt den jüngeren Outputs das finale Element, die gnadenlose Eindringlichkeit und Endgültigkeit der Riffs, die diese Klasssiker so gewaltig gemacht haben. Christian Liederer
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