 Das Chansonfest Berlin gibt erste Einblicke und präsentiert 12 Künstler und -gruppen an drei Tagen. Darunter auch den Gewinner des diesjährigen Nachwuchspreises Schwarz un Schmitz. Eine Mischung aus Chanson, Liedermacher und Schauspiel. Wunderbare Texte, bildhafte Geschichten und Arrangements, die aufregend anders sind. Sie haben keine Angst vor Disharmonien und richten sich nicht zwangsweise an 4-Zeilen-Strophen und anderen Textformen. Melancholisch, ergreifend, wirr, lustig. Wirklich toll.Star des Abends allerdings war der Schweizer Michael von der Heide. Mit seinen beiden Musikern heizte er die Stimmung im Zelt auf und brachte das Publikum zum Lachen und Pfeifen (letzteres im Song „Immer wenn du denkst“). Er betrat die Bühne und der Funke sprang über. Seine Pop-Chansons haben einen ganz eigenen Charakter. Ist es sein Dialekt? Sind es die schönen, simplen Texte oder die Alltagsthemen die jeder kennt? Wahrscheinlich alles zusammen. Ob auf Französisch oder Deutsch - er holt sein Publikum ab und nimmt es mit auf seine leicht skurrile Reise. Kiki Brunner dagegen steht noch ganz am Anfang. Mit „klarer als glasklar“ und „Tautropfen“ anmoderiert, musste man sich nach den ersten Tönen erst mal neu orientieren, denn beide Assoziationen trafen so gar nicht zu. Dennoch mit Hannes Kreutziger am Klavier ein Duo, welchem man in den nächsten Jahren wohl mehr Aufmerksamkeit schenken wird. Ihre Lieder sind traumhaft und vollgepackt mit Gefühlen. Ob Liebe, Abschied oder zwischenmenschliche Ungereimtheiten. Genau das richtige fürs Herz. Nur fehlt Kiki Brunner noch ein wenig Bühnenerfahrung. Ein wenig Unbeholfen überspielt mit Selbstbewusstsein, so kam sie rüber. Aber auch Weber & Beckermann haben klein angefangen und mit der Zeit einen großen Fankreis gefunden. Von Kitty Hoff hatte ich mir sehr viel versprochen, weswegen auch ihr Programmausschnitt hier als letztes erwähnt wird. Sie konnte meine Erwartungen nämlich nicht erfüllen und ließ den Abend für mich etwas zäh ausklingen. „Orchestraler Glitzerpop“ steht im Programmheft. Seicht-flotte Chansons waren es letztendlich. Mit viel 20er Jahre, Swing und Jazz angereichert. Eine schöne Mischung, aber zu leicht für die Chanson-Bühne. Eher Musik für nebenher oder in der Pause. Einzig das Spiel des Kontrabassisten war eine wirkliche Augenweide. Ein Vollblutmusiker, der mich ab und an von meinen Abschweifungen wieder gedanklich auf die Bühne zurückzog. Auf jeden Fall lohnenswert ist ein Blick ins Programmheft der nächsten Wochen. Mouron und Terry Truck kommen nicht nur mit französischen Liedern und kongenialer Klavierbegleitung, sondern bringen gleich zwei Akrobaten mit. „Poeten des Tanzes durch die Luft“. Michael von der Heide präsentiert sein neues Programm „Freie Sicht“ in voller Länge. Und die Schauspielerin Katrin Sass (Goodbye Lenin) singt deutsche Lieder von Herbert Grönemeyer, Berthold Brecht und Reinhard Mey. Hingehen lohnt sich also. Dann bleibt das Zelt auch nicht so leer wie beim ersten Tag. Felix Kosel
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