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Serdar Somuncu - Der Antitürke (Buch) 

09.06.2009

Wie der Name "Somuncu" auszusprechen sei (nämlich mit Betonung auf der zweiten Silbe und weichem 'c'), das macht der in Istanbul geborene Kabarettist, Schauspieler und Comedian gleichen Nachnamens in seinem Buch "Der Antitürke" klar. Nicht ohne Grund. Macht der Deutsche doch gerne ein "Somuntschu" oder "Samundzu" daraus, teils zuvorkommend multikultiphil, teils skeptisch-xenophob. Oder doch nicht? Wo genau in Serdar Somuncus "Der Antitürke" die Grenzen verlaufen zwischen Klischee, Vorurteil und künstlerischer Freiheit auf der einen, ungeschminkter Wahrheit, pointiertheit und zulässiger Zuspitzung auf der anderen Seite, ist meistens nicht klar. Und das ist auch gut so.

Serdar Somuncu ist unbequem, und das ist er gerne. Indem er unbequem ist, lässt er sich nicht kategorisieren und man weiß nie beim Lachen, ob man damit jetzt überhaupt noch auf der sicheren Seite ist: „Darf ich das überhaupt?“. Eine schwierige Frage, die einen immer wieder mit sich selbst und seinem Bild von sich als liberal aufgeklärtem und toleranten Mitbürger konfrontiert. „Das ist die Nazifalle!“ blaffte er einem erschrockenen Quatsch-Comedy-Publikum entgegen, bei seinem ersten Auftritt als „Quotenkanake“. Mit „Der Antitürke“ beschreitet Somuncu nun einen neuen und bei aller Ambivalenz eindeutigeren Weg, um Vorurteile im deutsch-türkischen Miteinander als solche zu entlarven. Dabei geht es ihm um Vorurteile von allen Seiten: nicht nur das Bild „des Türken“ bei „den Deutschen“ und umgekehrt, sondern vor allem auch das Bild der Türken und der Deutschen von sich selbst steckt voller Fallen, Sackgassen und Selbstbetrügereien. Um dem zu entgegnen setzt Somuncu auf zwei Mittel: zum einen verpackt er seine bissigen, oft unbequemen Kommentare in kabarettistischen Witz, der immer wieder seine Position wendet; nicht, bis einem schwindlig ist, aber doch, bis fest geglaubte Meinungen abgefallen sind und eine gewisse Unsicherheit den Boden bereitet für eine frische, unverbrauchte Auseinandersetzung mit dem Thema. Denn Serdar Somuncu ist das deutsch-türkische Verhältnis ein so ernstes Anliegen, dass er sein komödiantische Fach teilweise verlässt und – ebenso unterhaltend – ernste soziologische und historische Ausführungen in sein Buch aufgenommen hat. Ein wichtiges und spannendes Buch, nicht nur zur Frage, inwieweit Europa und Türkei zusammengehören (können), wie Deutsche und Türken ihren alltäglichen Umgang miteinander neu zu beleuchten vermögen, sondern vor allem als ungeschminktes Spiegelbild in eine doch sehr und erklärendes Fenster in eine gar nicht mal so andere Welt.

Dennis Deter

http://www.somuncu.de

 

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