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Mingus / Brubeck / Davis – 50th Anniversary Legacy Editions 

26.05.2009

Nachdem die 50th Anniversary Legacy Edition des legendären “Kind Of Blue” von Miles Davis ein solcher Erfolg geworden ist, veröffentlicht Sony Music drei weitere Schwergewichte des Jazz in der Legacy Edition, pünktlich zu ihrem Halbjahrhundertsgeburtstag. „Sketches Of Spain“, ebenfalls von Davis, „Time Out“ des Dave Brubeck Quartetts und Mingus’ „Ah Um“ erleben eine Wiedergeburt im opulent ausgestattetem 2-Disc-Set, mit zahlreichen Bonustracks und Hintergrundinformationen.

Mingus / Brubeck / Davis – 50th Anniversary Legacy EditionsMingus / Brubeck / Davis – 50th Anniversary Legacy EditionsAh Um“, Charles Mingus erste Veröffentlichung für Columbia, ist ein so rasanter wie geerdeter Parforceritt. Mingus hält sein Kollektiv an der kurzen Leine, doch gerade das gibt seinen großartigen Musikern, wie Schlagzeuger Dannie Richmond oder Pianist Horace Parland die Möglichkeit, sich zu entfalten. Der Bandleader selbst knurrt und stampft hinter seinem Bass, verleiht den ohnehin schon vitalen Nummern ein gehöriges Maß an Brisanz und überbordender Unruhe. Doch natürlich können sie auch ruhig. Eigenkompositionen wie „Goodbye Pork Pie Hat“ wurden im Jazzkanon zu Klassikern, und bereits existierende Klassiker, wie Duke EllingtonsMood Indigo“ interpretierte die Band auf eigene, geniale Weise. Letzteres allerdings auf dem aus der gleichen Session wie „Ah Um“ hervorgegangenen „Mingus Dynasty“, das netterweise diese Legacy Edition komplettiert, dabei jedoch seinen Platz erst nach zwei Alternate Takes auf der zweiten Disc fand. Bizarr.

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Mingus / Brubeck / Davis – 50th Anniversary Legacy EditionsMingus / Brubeck / Davis – 50th Anniversary Legacy EditionsSelbst Menschen, die gar keinen Jazz hören, kennen mindestens zwei Lieder: Herbie HancocksCantaloop Island“ und Brubecks „Take Five“. Beide durch Werbung und minderklassige Interpretationen, bzw. Stangenwarenmidisounds verwurstet. Wie toll diese Lieder dabei tatsächlich sind, lässt sich natürlich erst im Original nachempfinden. Dass (das von Saxophonist Paul Desmond geschriebene) „Take Five“ insbesondere zu Ehren des Schlagzeugers Joe Morello entstand, überrascht nach dem Hören von „Time Out“ nicht mehr. Wie aus dem lässigen Swing sich eine Dynamik Bahn bricht, wieder eingefangen wird und in die Bandkonstellation zurückkehrt, das ist ganz groß. Wie überhaupt die Größe dieses Albums neben grandioser Tracks wie „Blue Rondo à La Turk“ darin besteht, die komplizierte und zu jener Zeit im Jazz neuartige Rhythmik gar nicht hörbar zu machen, sondern wie eine so abgebrüht coole wie lässige Smokingband zu klingen. Auf der zweiten CD finden sich bisher unveröffentlichte Liveaufnahmen des Quartetts vom Newport Jazz Festival, auf der Höhe ihrer Kunst und im etwas widerborstigeren gewand. Eine DVD mit einem Dave Brubeck – Interview rundet diese Edition ab. Keine Wünsche offen.

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Mingus / Brubeck / Davis – 50th Anniversary Legacy EditionsMingus / Brubeck / Davis – 50th Anniversary Legacy EditionsGleiches lässt sich auch über die Legacy Edition von „Sketches Of Spain“ sagen. Die dritte und letzte Zusammenarbeit von Miles Davis und Arrangeur Gil Evans machte beider Faszination für spanische und lateinamerikanische Folklore und Flamencoklänge explizit. Im Mittelpunkt steht vor allem das eingangs gespielte „Concierto de Aranjuez“ des Komponisten Joaquin Rodrigo, welches jener 1939 für Orchester und Gitarre schuf. Miles Davis übernimmt mit seiner Trompete den Gitarrenpart, subtil intonierend, während Evans für einen cinemaskopischen Orchesterhintergrund sorgte. „Sketches Of Spain“ ist auch nach fünfzig Jahren noch verführerisch, blau wie die Mitternacht, und rot wie die untergehende Sonne. Neben dem auf der ersten CD komplett enthaltenen Album findet sich noch „Song Of Our Country“, aus der gleichen Session, das jedoch erst zwanzig Jahre später veröffentlicht wurde. Die zweite Disc enthält vor allem Probeaufnahmen und Alternate Takes, sowie die einzige Liveaufnahme, die Evans und Miles Davis jemals gemeinsam gestalteten. Es wurde, wen wunderts, „Concierto de Aranjuez“ fulminant in der legendären Carnegie Hall dargeboten.

Dennis Deter

 

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