|
|
 |
Rockiges „Frühlings Erwachen“ in Wien |
18.05.2009
|
|
 |
|
Frank Wedekind schrieb 1891 sein Theaterstück „Frühlings Erwachen, Eine Kindertragödie“, das sich mit dem Erwachsenwerden, erster Sexualität und Pubertät befasst. Lange galt das Stück wegen der brisanten Thematik als unaufführbar. Als es endlich 15 Jahre später im Jahr 1906 in Berlin uraufgeführt wurde, schockierte das „Skandalstück“ die biederen Bürger mit seinem brisanten Inhalt.
 Ganze hundert Jahre später feierte das Stück am 15. Juni 2006 als Musical seine Premiere in New York. Es erntete höchste Auszeichnungen, darunter 8 Tony Awards und wurde nach einer USA-Tournee in Japan und Europa aufgeführt – am 21. März 2009 erstmals deutschsprachig im Ronacher in Wien.Brisant ist der Inhalt geblieben und spricht damit auch Probleme an, mit denen sich Jugendliche heute auseinandersetzten: Ablehnung vorgegebener Muster, Suche nach Identität, Leistungsdruck und Perspektivlosigkeit. Das Bühnenstück bleibt in der äußerlichen Hülle bei seiner Entstehungszeit, dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Inhalt ist der meist innere Kampf der Jugendlichen gegen eine antiquierte Scheinmoral und für einen freien, selbstbestimmten Lebensweg. Für die Hauptfiguren Moritz, Wendla und Melchior endet dieser Weg in einem von Ausweglosigkeit getriebenen Freitod und dem tragisch-gewaltsamen Ende einer jungen Liebe. .
|
 Das Musical erhält aber durch die Musik eine zeitliche zweite Ebene in die aktuelle Zeit. Dialoge werden ausschließlich gesprochen, allein die Gedanken der Jugendlichen werden gesungen. Hier begehren sie auf, singen frei was sie bewegt. Sie singen mit der Sprache der heutigen Jugend, was das junge Publikum zu begeistern scheint, wenn es „So’n verficktes Leben“ oder „Im Arsch“ heißt. Die Handlung bleibt in diesem Moment eingefroren, die Erwachsenen-Figuren sprachlos. Die jungen Darsteller ziehen ein Mikrofon aus der Tasche und rocken los. Nun sind sie in ihrer Welt, in der die zwanghaften Regeln der repressiven Umgebung bedeutungslos sind. Die jungen Darsteller überzeugen in diesen Szenen durch guten Gesang und authentisches Schauspiel. Sie vermitteln dem Publikum die Emotionen der Protagonisten und erzeugen, im Zusammenspiel mit der Musik, Ergriffenheit bei den Zuschauern. Die Art der Darstellung ist für ein Musical überraschend direkt, besonders was den Sex betrifft. Der Liebesakt, Selbstbefriedigung, Homosexualität und auch sexuelle Gewalt werden nicht verschämt als Tabus im Hintergrund gehalten, sondern sind Kern des Geschehens – eben das, was Heranwachsende beschäftigt. .
|
 Junge Menschen wissen diese Offenheit zu schätzen, wie die Reaktion des jugendlichen Publikums bestätigt – geistig beweglichen Erwachsenen wird es da nicht anders gehen. „Frühlings Erwachen“ ist vielleicht das Jugend-Musical schlechthin. Das Stück zeigt gerade durch seine mehr als hundert Jahre alte Handlung, dass die Thematik des Heranwachsen und der Integration in bestehende Normen ein immer aktuelles Thema ist. Wie kann man besser für Verständnis und Kommunikation plädieren, als mit guter Musik, die Junge und Erwachsene gleichermaßen erreicht.Zur deutschsprachigen Premiere des Stücks gibt es auch die die erste deutschsprachige CD. Es ist eine Live-Aufnahme von 16 Songs, mitgeschnitten im Ronacher in April diesen Jahres. Die CD gibt nicht nur Ausschnitte wieder, sondern Vermittelt mit dem Applaus des Publikums auch ein Stück der Stimmung im Theater. Im Booklet sind alle Texte abgedruckt, die es durchaus lohnt genauer zu beachten. Kai Schmidt
|
http://www.musicalvienna.at
- bis 30.05.09 Wien – Ronacher
Karten unter +43/1/58885
  | Cd(s) bei amazon.de kaufen bzw. vorbestellen... |
|
  |
| |
|
|