 Gleich am Anfang ist gleich der Höhepunkt zu finden: Mürrisch antwortet Taktlo$$ auf die Fragen einer Reporterin und neben viel inhaltsleerem Gestammel entweicht ihm ein denkwürdiger Satz zum Einrahmen: „Meine Kraft wurde bisher nur verplempert durch stumpfsinnige Zuhörer, für die ich schwachsinnige Alben gemacht habe.“Statt Selbstkritik gibt der wohl bekannteste Rapper auf der DVD, Sido als Mann mit der Maske, Tipps für den Nachwuchs: „Du kannst der krasseste Rapper sein, den die Welt je gesehen hat, wenn Du kein Image hast oder etwas, womit du deinen Rap verkaufen kannst, wird es nie jemanden interessieren.“ Aus diesem Grund legen die Rapper mit zumeist aggressiven, abwertenden und beleidigenden Texten Wert darauf, wo und wie sie gefilmt werden: Entweder im Studio, in Limousinen, mit Kampfhunden, knapp bekleideten Frauen, im Panzer, mit Sonnenbrillen,bekifft, vermummt, in der Kneipe, mit Messern, im Keller, im Swingerclub oder als Abwechslung auch mal im Streichelzoo. Trotz aller Härte zeigt die DVD, dass es in Berlin auch ruhiger zugehen kann, mit Zenit oder Damion Davis zum Beispiel. Repräsentativ ist die Übersicht trotz der Vielfalt aber noch nicht:
48 der vorgestellten Labels kommen aus Westberlin, nur vier Labels aus dem Osten. Die Milieustudie der Berliner Rapszene ist trotzdem gelungen, denn die Macher kommen aus der Szene, sind dort verankert und halten sich an die HipHop-Regel: „Reden lassen“. So wird deutlich, dass hinter martialischen Worten nicht immer viel Flow steckt und, frei nach Bass Sultan Hengzt, Rap wirklich kein Abitur braucht. Leider, würden manche sagen. Doch die vielbeschworene Gewalt und der Hass, die auf „Rap City Berlin II“ deutlich zu sehen und zu hören sind, zielen eher auf die Szene selbst als auf „Deutschland“ oder deren Bevölkerung. Die einen machen Gangsta-Rap, andere distanzieren sich davon, einige scheißen auf Doppelreime und Double Time Flows, andere versuchen das noch zu toppen. Ob das gelingt, werden wir vielleicht in Teil III sehen. Robert Kneschke
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