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Motorpsycho - The Guys Are Back In Town 

03.06.2008

Bis zur Jahrtausendwende etablierten die Norweger der Band Motorpsycho eine der wenigen gelungenen europäischen Interpretationen von Spielweisen der US-Indie-Avantgarde, um Gruppen wie Sonic Youth, Dinosaur Jr, Hüsker Dü oder die Pixies. Gegenwärtig musiziert das Trio, dessen Hang zur Hippieära spätestens seit dem Erscheinen der Alben "Let Them Eat Cake" und "Phanerothyme" unverkennbar geworden ist, geschichtsbewusster denn je. Die Brachialität, welche epische Exkurse zu krönen pflegte, ist vollends gewichen. Motorpsycho geben sich in Bremen an diesem Abend noch harmonischer als zuvor. Psychodelische Delay-Höhenflüge, Blues-Abwandlungen, dezent rollende Shuffle-Sequenzen und lang anhaltende Instrumentalschwebezustände tauchen tief in die Sechziger und frühen Siebziger ab. An den Großtaten der Gitarrenbands lange vergangener Tage angelehnt, versuchen die Norweger der überweltlichen Seligkeit der Grateful Dead immer näher zu kommen. Dies jedoch verhindern die zumeist konturarmen und eher ziellos verlaufenden Gitarrensolopassagen.

Motorpsycho - The Guys Are Back In TownMotorpsycho - The Guys Are Back In TownAls Einheit funktioniert Motorpsycho weiterhin vortrefflich, indes Alleingänge auf mangelnde Visionen verweisen. Formvollendet und in sich geschlossen wirkt die Virtuosität der Norweger im Gemeinschaftlichen, besonders im Rahmen von Gruppenimprovisationen. Gerade das Einfühlungsvermögen und die spielerische Raffinesse des neuen Schlagzeugers, Kenneth Kapstad, erweist sich hierbei als diesen Prozessen überaus förderlich. Er balanciert zwischen rhythmischen Antrieb der Improvisationen, vielfältiger Akzentuierung und versierter Verzierung. Jazzige Leichtigkeit und Variabilität selbst noch in forcierten Passagen erhaltend. Das schlussendlich dann doch als letzte Zugabe dargebotene Überstück "Vortex Surfer" vergegenwärtigt dann die faszinierenden Vorzüge aus abenteuerlicheren Zeiten der skandinavischen Band. Nach diesem enthusiastisch gefeierten Liedvortrag hätte die Gruppe erst richtig loslegen sollen. Doch die drei Musiker verlassen nach der ersten Großtat des Konzerts die Bühne.

T. Stalling

http://www.stickman-records.de | http://motorpsycho.fix.no

 

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