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Christopher Dawes - Rat Scabies und der Heilige Gral (Buch) 

02.06.2008

Ein britischer Musikjournalist, langsam in die Jahre kommend, grübelt über seine Zukunft nach. Er ist sich unsicher darüber, wie ernst er den ganzen Rummel noch nehmen kann und wie wichtig ihm das Schreiben über Rock und Pop überhaupt noch sein kann nach all den Jahren. So zieht erst einmal um, allerdings bezieht er in dieser ungewissen Lage ausgerechnet das Haus gegenüber eines musikalischen Helden seiner Jugend. Der Drummer der Gruppe The Damned lebt von diesem Zeitpunkt an keine zehn Meter entfernt. Und schon bald freunden sich Christopher Dawes und Rat Scabies an. Von dieser sich entwickelnden Freundschaft handelt die knapp dreihundertseitige Erzählung, locker und unumständlich geschrieben, wie direkt aus dem Leben gegriffen. Perfekte Urlaubslektüre, die mit ihren ins Mysteriöse den Unterhaltungswert zu steigern versucht. Dabei aber hin und wieder in Aufzählungen von Namen, Daten und Geschehnissen abgleitet. Ansonsten aber zeichnet "Rat Scabies und der Heilige Gral" eine Männerfreundschaft realitätsnah-ungekünstelt nach.

Christopher Dawes - Rat Scabies und der Heilige Gral (Buch)Christopher Dawes - Rat Scabies und der Heilige Gral (Buch)Worauf der Titel unmissverständlich hinweist, unterscheidet die beiden Gentlemen allerdings von Millionen anderer Kumpanbeziehungen. Kaum nämlich ist die Freundschaft als eine solche etabliert, infiziert der exzentrische Musiker seinen Nachbarn mit dem Gral-Virus. Man ergeht sich zuerst in verschwörerischen Theorien, setzt die Schatzsucherpläne jedoch auch recht umgehend in fast blinden Aktionismus um. Das Duo reist mehr als einmal nach Frankreich, um jahrhundertealte Rätsel zu lösen und hoffentlich reich zurückzukehren. Eine mehr als schwierige Aufgabe für dahergelaufene Schatzsucher aus London. Auf eigenwillige Weise bereichert somit zuallererst ihr Abenteurergeist das ansonsten eher durchschnittlich interessante Leben. Gleiches gilt für diesen erheiternden Bericht aus einer Welt sympathisch Besessener sowie angenehm Verrückter. Überhaupt gibt es unterwegs so viel zu erleben, falsch zu machen und zu überstehen. Gerade die seltsamen Charaktere, welche die beiden Briten indes während ihrer chaotischen Reisen kennen lernen, sind unverzichtbare Antagonisten des Buches, kostbar rare Individuen der Spezies Mensch. Und sie alle sind ebenfalls auf der Suche.

T. Stalling

http://www.verlag-seeling.de

 

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