 Unzählige Musiker haben Lieder wie „My Baby Just Cares For Me“ nachgesungen, umgearbeitet oder versucht neu zu erfinden. Wozu also noch eine weitere Version, fragt man sich? Hört man allerdings in die CD und Hommage hinein, bleibt man kleben an der Musik. Denn nicht nur die Songs öffnen einem den Gehörgang, sondern auch die wunderbare Art, wie Lyambiko sie interpretiert. Keine Spur von gewolltem „anders sein“. Marque Lowenthal umspielt auf dem Klavier die Melodien von „Don’t Let Me Be Misunderstood“ und erzeugt damit eine Leichtigkeit, die an Tiefe nicht verliert.Die soulige Stimme der Deutschen, die sich den Nachnamen ihres Vaters als Künstlernamen zu Eigen machte, kommt gleich zu Beginn in „Feeling Good“ besonders zur Geltung. Knappe 50 Sekunden lang setzt sie bewusst und mit Nachdruck die Töne aneinander. Selbstbewusst und dabei doch so sanft und gefühlvoll. Eines der vielen Highlights auf „Saffronia“ ist „Here Comes The Sun“. Faszinierende Rhythmen mit einer ungewohnten Trockenheit stellen den Song in den Mittelpunkt der ganzen Platte. Lyambiko klont sich selbst und ertönt aus allen Richtungen und Lautsprechern, singt sich in Rage und kühlt zum Ende langsam wieder ab. Ein wahrer Genuss. Da weiß man auch, wofür man sich die teure Technik im heimischen Wohnzimmer gekauft hat. Etwas aus der Reihe fällt „Ne Me Quitte Pas“. Nicht nur durch die Sprache, sondern auch durch den Klang der Stimme. Der Gesang wirkt runder, geschlossener und auch etwas inszenierter. Ohne Zweifel eine wirklich schöne Interpretation, jedoch irgendwie nicht zum Rest der CD passend. Wer den vollen Genuss des Könnens von Lyambiko nicht nur elektronisch erleben möchte, hat demnächst live die Möglichkeit dazu. Zusammen mit Curtis Stigers geht es auf Jazznights Tour. Stellt sich mir nur noch die Frage, warum das Album den Titel „Saffronia“ trägt. Denn mit der gleichnamigen Hauptstadt Kantos im Pokémonspiel hat er sicherlich nichts zu tun. Felix Kosel
|