 Man kann das natürlich in erster Reaktion merkwürdig finden, verschenkt
- immerhin mangelt es Blige weder an der Stimme noch an den Beziehungen
zu den Producer-Größer dieser Tage. Vielleicht aber ist das Ganze auch
gar kein tragischer Irrtum, sondern eine gelassene, aufs Wesentliche
konzentrierte Low-Key-Taktik, in deren relativer Ruhe und
Zurückgenommenheit sich prima Musik machen lässt. Auch "Growing
Pains"
ist kein Hit-Vehikel, das seine (durchaus vorhandenen) Vocal Features
selbstverliebt zur Schau stellt und es zwischen den Auskopplungen nie
zu
einem Profil bringt - es ist, ganz im Gegenteil, ein rundes,
geschmeidiges Album, weitaus näher am Soul als alle künstlich-lüsternen
Popliedchen von Beyoncé und Mariah Carey zusammen.Als "Queen of HipHop-Soul" ließ sich Mary J Blige vor einigen Jahren
gern noch bezeichnen; HipHop indes ist nun auf "Growing Pains" nicht
mehr zu finden, und der Titel "Queen of Soul" wird bis auf Weiteres von
Legenden ausgefochten. Irgendwann aber darf Mary J Blige vielleicht
mitmischen. Friedrich Reip
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