 „Ich hebe meine Augen in die Welt“ – Alfred Lichtenstein Die Kombination von Komik und unter- und hintergründigem Ernst, ja Verzweiflung, die Scheerbart auszeichnet, findet sich auch bei seinem Zeitgenossen Alfred Lichtenstein – wenn auch in anderer Form: in schrillen Gedichten und grotesken Prosatexten, die Lichtenstein zu einer wichtigen Erscheinung des Frühexpressionismus werden ließen. Auf „Ich hebe meine Augen in die Welt" interpretieren Barbara Wittmann und Detlef Bierstedt ausgewählte Werke des Schriftstellers: Porträts von Trinkern, grauen Clowns, Irren, Huren und Rummelplatzgestalten, von himmelblauen Exzentrikern, unschuldigen Kindern, parfümierten Pudeln und „eigen schauenden Frauen“, von verrückten Literaten, Bürokraten und geschundene Rekruten. Den buckligen Dichter Kuno Kohn, ein Alter Ego Lichtensteins, treffen wir im „Café Klößchen“ und erleben mit ihm eine sehr seltsame Liebesgeschichte.
Alle Texte Lichtensteins summieren sich zu einem bizarren Bild der magisch beleuchteten Stadtlandschaft Berlins. Am Ende steht der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die frühen lyrischen Todesahnungen des Dichters werden plötzlich grausamste Realität. Musikalisch eingefasst in expressive Klangbilder wurde dieses Hörbuch von zwei der kraftvollsten und farbenreichsten Instrumentalisten der internationalen Jazzszene: Aki Takase und Michael Griener. Wie die „Scheerbartiana“ ein im wahrsten Sinne des Wortes außerordentliches Projekt. Bleibt zu hoffen, dass der Verlag weitere vergessene Künstler in ähnlicher Weise in unser Gedächtnis zurückholt. Christian Liederer
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