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Supersilent - 8 

26.10.2007

Die Musizierendenszene des hohen europäischen Nordens hätte so viel Aufmerksamkeit verdient. Leider aber konzentriert sich das Publikumsinteresse weiterhin auf andere Orte. Dabei sind dort oben mittlerweile sehr viele spannende, innovative und sehr oft unbedingt hörenswerte Konzepte, Spielweisen, Ensembles und Projekt im Entstehen und Vergehen begriffen. Und wer selbst das Vergehen verpasst, lässt sich diese besonders lustvollen, individuellen, später unwiederbringlich vergangenen Audio-Entdeckungsreisen entgehen. Skandinavische Momentmusik dokumentiert in den letzten Jahren gerade das tatkräftig engagierte Label “Rune Grammofon“. Dies geschieht auch in Kooperation mit der Gruppe Supersilent, deren zehnjähriges Bestehen zusammenfällt mit der Veröffentlichung ihres ersten Studioalbums seit ungefähr fünf Jahren.

Supersilent - 8Supersilent - 8Die Vorgehensweise ist unverändert geblieben. Wie schon für den Vorgänger “6“ wurde an fünf Tagen aufgenommen, das Material wurde weder besprochen, noch er- respektive geprobt. Die Stücke entstanden in Interaktionsprozessen kollektiver Improvisation. Dynamisch, vieldeutig, abwechslungs-, spannungsreich und un-vorherkalkuliert dringt diese elektrische und elektronische Musik in Ecken und Winkel vor, welche selten zuvor betreten worden sind.

Das norwegische Improvisationsquartett Supersilent leitet das bereits im Sommer 2005 aufgenommene Album “8“ mit dunklen und bedrohlichen, kalt-bassigen Schalleriegnissen ein. Bis dann der Beat sich fragmentarisch offenbart, eine rhythmisch eindeutige Strukturiertheit vorerst vornehmlich antäuschend und, sich vor zuweisungsklarer Geradlinigkeit zierend, hereinstolpert, um schließlich mehrere akzentuierte Anhaltspunkte pro Taktmaß im Dröhnen und Schaben des anschwellenden und sich immer weiter verdichtenden Instrumententreibens zu platzieren. Auf diesen brachialen, verzerrten Noise-Jazz folgen ruhige Momente sinnlichen Strömens in ruhigen Klangflächen, polyrhythmische Pulse, verfremdete Stimmanteile, schwebende Tasteninstrumentenwolken, filigrane Schlagzeugwirbeleien, flirrend eingeworfenes Piepen, auch expressionistische Melodien-Tupfereien, neben abrupten Wendungen und sanften Kurskorrekturen im Angesicht absoluter Freiheit, denen Worte eines knappen Rezensionstextes letztendlich lediglich spotten können.

T. Stalling

http://www.runegrammofon.com - http://www.supersilence.net

 

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