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Tocotronic - Kapitulation 

08.07.2007

Mit "Kapitulation" veröffentlichen Tocotronic rund zwei Jahre nach "Pure Vernunft darf niemals siegen" ihr bereits achtes reguläres Studioalbum. Über die Programmatik der Platte sind schon mehr Worte als genug verloren worden, daher ohne weitere Einleitung: die zwölf neuen Songs der Hamburger...

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Tocotronic - KapitulationTocotronic - KapitulationMein Ruin: Ein richtiger Rocksong ganz am Anfang. Das ist der angekündigte Anti-Machismo? Oder war das doch wieder alles ganz anders gemeint? Oder doch gar nicht? In jedem Fall der direkte, geglückte Übergang vom letzten Album. Und richtig lang. Guter Auftakt.

Kapitulation: Die erste Single. Worum es hier geht, dürfte inzwischen jeder mitbekommen haben. Kapitulation, das schönste Wort in der deutschen Sprache, wie eine Tonleiter, nicht gewinnen ist auch mal gut. Und so. An die Chöre am Schluss hat man sich hingegen immer noch nicht gewöhnt.

Aus meiner Festung: Stimmung, Rhythmus, Bildhaftigkeit in den Lyrics ("Morgens früh lief ich hinaus / Das Gras war feucht vom frischen Tau") lassen unmittelbar an "K.O.O.K." denken. Leider am Schluss wieder mit Chor. Trotzdem toll.

Verschwör dich gegen dich: Ein musikalisch über weite Strecken sehr luftiges, offenes Stück, textlich nah am Kapitulationsduktus der ganzen Platte, diesmal aber in einen schmissigen Schunkelrefrain gewickelt.

Wir sind viele: Das Opus Magnum des Albums, mit einem riesigen dramaturgischen Anlauf, dem ein bisschen der große Tusch am Schluss fehlt. Vielleicht der Song auf "Kapitulation," dessen Text man sich am ehesten aneignen kann, ohne an die zahlreichen Interviews der Band im Vorfeld denken zu müssen: "Wir sind viele / Unser Name ist Legion." Live vermutlich riesig.

Harmonie ist eine Strategie: Die extrem weit nach vorn gemischten Vocals schaffen unmittelbar Aufmerksamkeit. Das "hohe Gras / In der Nachbarschaft von Elstern" wie überhaupt der Magische Realismus der kompletten Lyrics lässt erneut an "K.O.O.K" denken. Einer der stärksten Songs der Platte.

Imitationen: Ein Tanzstück. "Dein schlimm ist mein schlimm" überspannt den Bogen vielleicht etwas. Zeilen wie "Fast durch die ganze Welt / Bist du zu mir bestellt" machen das sofort wieder gut.

Wehrlos: Ein betont sanftes Stück, das man sicher als Liebeslied lesen kann. Vielleicht sogar muss. Vielleicht der profilärmste Song der Platte, gewöhnungsbedürftig in jedem Fall.

Dein Geheimer Name: Die Paranoia von Lyrics wie "Und das Stromnetz flüstert einsam / Eine Botschaft für uns zwei" steht ganz im Geist der letzten zwei Alben, das Lärmrausch-verliebte Finale verträgt sich auch mit älteren Songs und macht den Song live vermutlich zum großen Rausschmeißer.

Sag alles ab: Die wütende, verweigernde, gerade zwei Minuten lange Punknummer mit dem selbstreferenziellen "Du musst nie wieder in die Schule gehen" schreit sich vom getragenen Albumsound frei, dass es eine Freude ist. Begeisternd.

Luft: Die wohl gelungenste, weil am wenigsten dogmatische und mit Abstand witzigste Umsetzung des Kapitulationsthemas. Musikalisch schwer zu greifen.

Explosion: Im Aufbau stark an "Das Geschenk" erinnernd, ist der letzte Track des Albums vielleicht auch sein bester. Die letzten, die Programmatik der Platte verdichtenden Worte "Kein Wille / Triumphiert" saufen im Gitarrenrauschen ab, das live vermutlich fünf bis zehn Minuten länger gewittern darf und über so manchen lyrischen Ausrutscher hinwegtröstet.. "Alles gehört dir." Es ist einfach Rockmusik.

Friedrich Reip

http://www.tocotronic.de

 

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