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Buch: Chuck Klosterman - Fargo Rock City 

18.04.2007

Selbst aus übelst herunterziehender Langeweile, einem deprimierend eintönigen Umfeld inmitten bäuerlicher und klimatisch kühler Kuhkaff-Anti-Idylle, kann der gelegentliche Ausbruch gelingen, immer wieder als euphorischer Aufstieg mit anschließendem Fall, und im Rückblick sprüht die autobiografische Betrachtung der Tristesse dann vor Witz, wenn der Autor sich kaum ernst zu nehmen versucht, stattdessen nonchalant und selbstkritisch auf Probleme und Unzulänglichkeiten zu sprechen kommt.

Buch: Chuck Klosterman - Fargo Rock CityBuch: Chuck Klosterman - Fargo Rock CityVerbunden mit scharf- wie unsinnigen rockjournalistischen Analysen wird aus Metal-Heranwachsenden-Memoiren eines der derzeit cleversten, unterhaltsamsten und lesenswertesten Rock-Buchpublikationen. Wenn Chuck Klosterman auf sich, sein Leben und seine Lieblingsalben und -songs schaut, dann vermag er viel Freude zu verbreiten. Sein eigenwilliger Ansatz und die immer wieder einen stringenten Erzählstrang ruinierenden Abschweifungen können zwar irritieren, unterstreichen allerdings den dauerhaft gegenwärtigen Charme seiner innigen Liebeserklärung an den Heavy Metal. Denn nichts anderes als stärkste Zuneigung, doch auch Verachtung, Kummer und Ekel prägen die Beziehung zwischen Autor und kraftvoll-mächtiger Mähnenmusik, steckt in seinem Buch "Fargo Rock City".

In den Achtzigern des letzten Jahrhunderts existierten Musikgruppen, welche nicht allein durch Lieder und Exzesse für Unruhe und Begeisterung unter jungen Menschen sorgten, die rocken wollten, sondern auch durch ein, von heute aus betrachtet, besonders abwegiges Styling. Im Glam-, Hair- oder Glitter-Metal waren hochtoupierte Haare, Spandexhosen, tonnenweise Schminke und schräg-schrille Accessoires auf absurde Weise wichtig. Dass auch die Musik irgendetwas bedeutet, dass sie besonders ist und wichtig, davon ist Klosterman, der hingabevolle Musikjournalist, überzeugt. Deswegen unternimmt er jeden erdenklichen Versuch, um auch sein Lesepublikum von den Vorzügen der Mötley Crüe, den Rabauken von Guns N Roses, sowie Horden extrem auffällig frisierter anderer Bands, - Cinderella, Stryper, Dokken, Ratt -, zu überzeugen.

Seine Argumentation irrt dabei umher, schlägt seltsame Wege ein. Spottet und beschimpft, veralbert und diskreditiert Klosterman doch seine geliebten Gruppen und ihre unsympathischen Protagonisten. Womit ihm humorvoll einige der scharfsinnigsten, unbedingt zitierfähigen Beobachtungen und Schlussfolgerungen über laute Gitarrenmusik gelingen. Überall scheint das Jugendzimmer des jungen Chuck, ein Raum intensiver Musikverehrung, am richtig falschen Ort zu sein. Mit seiner gewitzten Art globalisiert Klosterman das Teenie-Dasein in dörflicher Umgebung des nördlichen US-amerikanischen Nirgendwo North Dakota´s.

T. Stalling

http://www.rockbuch.de

 

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