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Alasdair Roberts – The Amber Gatherers 

30.01.2007

Erstaunliche Neuigkeiten erreichten uns dieser Tage aus dem fernen Britannien. Alasdair Roberts, der zarte schottische Folkbarde, habe mit seiner neuen Platte „The Amber Gatherers“ ein Popalbum gemacht, hieß es da. Verwundert rieb man sich die Augen, so schwer vorstellbar war dies nach seinem 2005 erschienenen „No Earthly Man“, einem schwermütigen, morbiden Substrat aus alten Murderballads.

Alasdair Roberts – The Amber GatherersAlasdair Roberts – The Amber GatherersEin Popalbum ist „The Amber Gatherers“ nun natürlich nicht geworden. Und doch hat der Sonnenschein erstmals wieder Einzug gehalten in die Musik Alasdair Roberts. Zumindest werden die doch wieder abgründigen Texte jetzt in helleren Farben beleuchtet. Das Songwriting bleibt dabei zurückhaltend, die Gitarrenläufe auf der Akustischen fein ziseliert und das Drumming sogar beschwingt und kräftig, das sorgt wohl für den zitierten Popappeal. Roberts Stimme strebt wie immer in die Höhe, unaufdringlich und doch beschwörend. Es ist ein alter Geist, der da durch diese Musik weht. Denn „The Amber Gatherers“ wirkt seltsam aus der Zeit gefallen, steht sowohl in der Tradition altertümlicher Nursery Rhymes, der genannten Murderballads, sowie der britisch- traditionellen Folkmusik der siebziger Jahre.

So reich ornamentiert die Musik von Alasdair Roberts manchmal auch wirkt, unter ihr verbirgt sich doch ein blutendes Herz. „The Cruel War“ besingt die Verzweiflung eines Mannes, der feststellen muss, dass seine Frau von einem feindlichen Soldaten vergewaltigt und geschwängert wurde. „I know by his cradle cry, I know by his whine/ I know by the black of his eye, he’s no son of mine“. Und in der flehentlichen Stimme Alasdair Roberts vereinigen sich das Leid und die Schwäche des gebeutelten Mannes. Pop ist anders. Mit „I have a charm“ wird dann auch eher ein altenglischer Blues entwickelt, der in seiner Dramatik nach und nach anzieht und sich in dissonanter Zweistimmigkeit entlädt. Die entscheidenden Zeilen finden sich jedoch im tanzliedhaften „Firewater“: „How can I ever know you? Or know your way of living until I know your way of dying?” Leben und Tod sind für Alasdair Roberts zwei Seiten der selben Medaille. Singt er über das Leben, zeigt sich darin auch der Tod und umgekehrt. Diese Zwielichtigkeit zieht sich durch die ganze Platte.

„The Amber Gatherers“ erreicht jedoch nicht ganz den morbiden Charme seines Vorgängers. Dafür ist es märchenhafter, versponnener, und eine Platte, die man auch einmal bei Tageslicht hören darf. Pop findet zwar auf einem anderen Kontinent statt. Aber wer hat denn gesagt, dass man so schnell von hier weg möchte? Dennis Deter

http://www.alasdairroberts.com

 

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