 Das Gefühl, In The Nursery schon ewig zu kennen, täuscht nicht. Denn das Album „ERA“ kommt pünktlich zum 25. (in Worten: fünfundzwanzigsten!) Jubiläum der englischen Band. Waren in den Anfangsjahren noch zeitgemäße Industrialeinflüsse und military snares wesentliche Elemente der Ausnahmeband, so wurden nach und nach vermehrt bombastische, soundtrack-artige Klanggebilde für In The Nursery’s Musik bezeichnend. Mancher wird ihre Songs kennen, ohne den Namen der Band zu wissen, denn in einer ganzen Reihe von überaus erfolgreichen Filmen (unter anderem: „Interview with a vampire“, „Erin Brockovich“ und „The Aviator“) griffen die Produzenten auf die spezielle Klangwelt zurück.Auch auf dem aktuellen Album „ERA“ bleibt die Band sich treu: nachdenkliche, klassisch instrumentierte Tracks wechseln sich mit antreibenden, filmhaften Sequenzen ab. Neu aber ist die Zusammenarbeit mit Sängerin Sarah Jay Hawley, die eher für ihre Kollaboration mit Massive Attack bekannt ist. Sie bringt auf „ERA“ die zweite Frauenstimme neben Dolores Marguetite C. ein. Aus dieser Zusammenarbeit entsteht ein breites musikalisches Spektrum, das von (ich wag es kaum zu schreiben) Soul-Anklängen, über bekannt theatralische Dark-Wave-Songs bis hin zu poppig-harmonischen Tracks reicht. In The Nursery sind ihrem Stil treu geblieben, machen auch nach 25 Jahren und 23 Veröffentlichungen immer noch keinen Pop, sondern ein schönes neo-klassisch angehauchtes Album. Wer allerdings auf der Suche nach dem besten aktuellen Soundtrack für pseudo-winterliches Mistwetter ist, der sollte seine Grog lieber zum neuen Album von Die Verbannten Kinder Evas süffeln, die haben nämlich grade mit „Dusk And Void Became Alive“ ein neues Album veröffentlicht und das ist, mit Verlaub, einen Tick dichter, mitreißender, emotionaler. Carsten Schulze
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