 Dass Pain of Salvation mit ihrem Progressive Metal nicht den Massengeschmack im Visier haben, war klar. „Scarsick“ ist ja auch schon das siebte Studio-Album der Band. Mutig hingegen ist, dass man die Grenzen des Prog-Genres derart lockert, dass es viele Prog-Traditionalisten und sicher auch getreue Anhänger der Formation schwer haben werden, die neuen Wege mitzugehen. Das Vorgänger-Album „Be“ (2004) verlangte dem Hörer durch seine stilistische Bandbreite bereits einiges ab und entfernte sich vom klassischen Prog Metal, den z.B. „Remedy Lane“ (2002) noch kunstvoll zelebrierte.Mit „Scarsick“ setzt der Kopf der Band Daniel Gildenlöw noch einen drauf: Rap-Gesang, NU-Metal- und Screamo-Einflüsse, dazu Disco-Pop-Anspielungen werden einigen Engstirnigen Schweißperlen in die Gehörgänge fließen lassen. Gewagt, gewagt. Ist „Scarsick“ deshalb eine schlechte Platte geworden? Von mir ein klares „Nein“ und „im Gegenteil“. Die ungewöhnlichen Einflüsse – sie sind übrigens nur verzierend, nicht dominant – bereichern, statt dass sie stören würden. Während mir „Be“ fast etwas zu verkopft und zu sehr vom Willen geprägt war, darstellen zu müssen, was Gildenlöw für ein musikalischer Tausendsassa ist, überzeugt „Scarsick“ durch einen viel spielerischen Umgang mit einem ebenso weiträumigen Stilhorizont. Souverän, beeindruckend und das erste Highlight 2007. Christian Liederer
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