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Careless Love - Elvis Presley 1958-1977 (Buch) 

05.01.2007

Careless Love” – “Sorglose Liebe” … so hat Peter Guralnick den zweiten und abschließenden Teil seiner umfangreichen Elvis Presley–Biographie überschrieben. Auf 924 Seiten behandelt Careless Love die Jahre 1958 bis 1977, also ab Ende der Militärzeit bis zu Elvis’ Tod am 16. August 1977.

Careless Love - Elvis Presley 1958-1977 (Buch)Careless Love - Elvis Presley 1958-1977 (Buch)Nahezu jeder kennt seinen Namen, und weil Elvis einer der ganz großen im Showgeschäft war, deshalb gibt es auch jede Menge zu erzählen über sein spannendes Leben und insbesondere über seinen tragischen Tod. Ungezählte Bücher (circa 1.000 sind schonmal allein hier gelistet), Dokumentation, TV-Filme und erst recht Internet-Beiträge existieren, allein Google Deutschland sucht mir in 0.30 Sekunden ungefähr 3.460.000 Ergebnisse für "Elvis Presley". Da muss es auch nicht verwundern, dass eine Biographie auf mehr als 1.500 Seiten kommen kann, wie beim vorliegenden Werk des amerikanischen Autors und Musikkritikers Peter Guralnick.

Sein Buch ist sehr darum bemüht, sowohl authentisch, packend und lebendig zu klingen, als auch profunde Quellenkenntnis und analytische Herangehensweise zu demonstrieren. So finden neben ausführlichen Literaturangaben und einem weit reichenden Personenindex auch 1.577 Fussnoten, die die Herkunft von Zitaten oder weiterführende Informationen beinhalten. Guralnick, bekannt für seine Bücher aus dem Musik-Umfeld, scheint sichergehen zu wollen, dass Careless Love als eine Instanz anerkannt wird, denn die Tiefe, mit der er Elvis’ Leben und Werk in beiden Büchern beschreibt, ist eindrucksvoll.

Gleichzeitig ergibt sich aus diesem Anspruch aber ein Problem: Careless Love (und ebenso der Vorgänger Last Train To Memphis) soll umfassend sein, will belegen und dokumentieren. Mutmaßungen und Theorien vermeidet der Autor. Statt dessen immer wieder der Verweis auf Quellen und Zitate. Ungeachtetet dessen verwendet Guralnick aber eine Erzählsprache, die am kürzesten als typisch amerikanisch beschrieben werden kann. Im Versuch, Geschichte lebendig und fesselnd zu erzählen, klingt er zu oft undistanziert und romanartig. Die eher blumige und emotionalisierende, im positiven Sinne packende Sprache des Buches wird vom fast schon wissenschaftlichen Eifer (Beispiel: Fußnoten) bei Konzept und Aufbau des Buches konterkariert. Leider fehlt auch eine durchschaubare Aufteilung des Buches in nutzbare Kapitel. Statt dessen überschreibt Guralnick die einzelnen Absätze meist metaphorisch („Freier Fall – Februar bis Oktober 1973“ oder „Ein Blatt im Sturm – Januar 1975 bis Januar 1976“), was sicher hübsch klingt, die Suche nach bestimmten Inhalten aber behindert, falls man nicht genau weiß, zu welchem Datum man zu suchen hat. Wer also zum Beispiel Informationen zur Scheidung von Priscilla sucht, der kennt entweder das Datum, oder er sucht sich unter den vielen Seiten, die um Personenregister hinter Priscilla stehen, mühsam die richtige raus.

Gerade bei einem so umfangreichen Werk macht sich dieses Manko stark bemerkbar, da einzelne Daten und Fakten aus der Fülle des Erzählten im Nachhinein kaum mehr herauszufinden sind. Das ist für den Elvis-Liebhaber sicher weniger schlimm, denn er wird das Buch von vorn nach hinten lesen. Wer aber neben einer umfangreichen und gut recherchierten Biographie noch ein Nachschlagewert für bestimmte Informationen sucht, der wird mit Careless Love nur die Hälfte seiner Wünsche erfüllt sehen.

Carsten Schulze

 

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