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Christina Drewing – Die wahren deutschen Superstars ...und wie alles beginnt... 

20.11.2006

Diesem Sachbuch fehlen drei wichtige Dinge: Klarheit, Übersicht und das Lektorat. Das allein sind wichtige Gründe, das Buch nicht zu kaufen. Doch eins nach dem anderen. Das Buch mit seinen 367 Seiten hätte problemlos auf mindestens die Hälfte zusammengeschrumpft werden können, ohne an Inhalt zu verlieren. Der größte Teil des Buches besteht aus anscheinend unredigierten Interviews mit B- und C-Prominenten aus dem Musikgeschäft, die sich größtenteils in Plattitüden und leere Floskeln wälzen. Kostprobe? Schon eine Überschrift reicht: „Interview mit Rolf Stahlhofen – klasse Soulsänger, super Manager, toller Mensch!“ Kennt den jemand?

Christina Drewing – Die wahren deutschen Superstars ...und wie alles beginnt...Christina Drewing – Die wahren deutschen Superstars ...und wie alles beginnt...Auch sonst ist die Dichte der Superlative im Buch erschreckend, immer ist es einer der „erfolgreichesten“, der „beliebtesten“ oder der „großartigsten“ Musiker, der gerade besprochen wird. Auffällig ist nur, dass diese B-Prominenz wiederholt im Buch auftaucht. Leute, mit denen Interviews geführt werden, produzieren dann auch die Lern-CDs, die dem Buch beiliegen, werden als Buch-Tipp angeführt und an anderen Stellen des Buchs extra erwähnt. Da drängt sich schnell der Verdacht auf, dass niemandem weh getan werden soll und sich alle Beteiligten gegenseitig brav den Bauch streicheln.

Die Auswahl der erwähnten Musiker ist nach Erfolgskriterien gemessen sehr fragwürdig. Bands wie Silbermond, Juli oder Wir sind Helden, die höchstens zwei Alben vorweisen können, sind noch lange keine Superstars. Auch Ooomph! oder Yvoone Betz fallen garantiert nicht in diese Kategorie.

Auch künstlerisch ist die Auswahl mehr als seltsam. Da wird oft im Buch über die „Superstar-Castings“ und die „Radioformate“ gelästert, gleichzeitig werden am Ende des Buches sekundengenaue Anleitungen gegeben, wie ein Song aufgebaut werden solle, um genau diesem breitgetretenen Radioformat zu entsprechen.

Kommen wir nun zu den inhaltlichen Fehlern, die ein aufmerksames Lektorat vielleicht hätte verhindern können. Nina Hagen ist nicht, wie auf Seite 17 behauptet, die Tochter von Wolf Biermann! Rastafari ist nicht, wie auf Seite 33 suggeriert, ein Musikinstrument oder ein Vortragsstil, sondern eine Religion. Der Song „Mein Name ist Mensch“, ist nicht von Rio Reiser, wie auch Seite 24 erwähnt, sondern von Ton Steine Scherben.

Außerdem wird bei der Biografie von Peter Maffay komplett ein Werbetext der Plattenfirma ins Buch übernommen, bei einer Auflistung von existierenden Musikrichtungen fehlt „Soul“, dafür wird „Mittelalter“ (was auch immer das abgesehen von einer geschichtlichen Epoche sein soll) oder „No Depression“ erwähnt. Und „Grunch“ soll wohl „Grunge“ sein. Bei dem „Musterbeispiel eines angeblich sehr guten Pressetextes“ wird doch glatt vergessen zu erwähnen, welche Musikrichtung der Musiker spielt! Der Manager der rechtsgerichteten Band Böhse Onkelz darf seitenlang darüber jammern, dass seine Schützlinge als Nazi-Band gesehen würden. Dabei haben sie doch früßer bloß Songs wie „Türken raus“ geschrieben.

Das Layout des Buches sieht aus als habe jemand erstmals die Formatierungsfunktion eines Textprogramms entdeckt. Da wird wild unterstrichen, fett oder kursiv gedruckt, dass jedem Layouter die Augen tränen.

Das Buch ist das schlechteste Buch, was ich in mehreren Jahren zum Thema „Musik-Business“ gelesen habe. Absolut NICHT empfehlenswert! Vom Kauf wird abgeraten. Lest euch lieber das KLF-Handbuch mit dem Titel „Der schnelle Weg zum Nr.1 Hit“ durch. Ist dünner, billiger, viel unterhaltsamer und auch ehrlicher dazu.

Robert Kneschke

http://www.cd-musikundmedien.de

 

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