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P.F. Sloan - Sailover 

23.11.2006

Ich gebe zu, wenn ich höre, dass ein Uralt-Veteran der Rock- bzw. Popmusik nach 30 Jahren wieder eine neue Scheibe macht, dann gruselt mir schon. Wenn derjenige dann zu seinen besten Zeiten sogar nur zwei, vielleicht drei mittelprächtige Hits aufzuweisen hatte, dann erwarte ich freundlich ausgedrückt nichts Erfreuliches.

Dass ich diese CD trotzdem rezensieren wollte, hat natürlich einen Grund. Denn auch wenn P.F. Sloan als Interpret nur einen kleinen Hit mit "Sins of a family" hatte, so war er nicht einfach irgendein hoffnungsloser Quäker. Eigentlich könnte Sloan bis heute gut ausgesorgt haben, denn er ist der Autor einiger amerikanischer Harmony-Pop-Hits aus den späten 60ern, die von den Turtles, The Mamas & the Papas, Johnny Rivers und viele anderen aufgenommen wurden. Sein größter Erfolg als Songwriter war sicher "Eve of Destruction", mit Barry McGuire ein weltweiter Number One-Hit. Außerdem war er mit seinem damaligen Partner Steve Barri für die frühen Hits der Grass Roots verantwortlich und spielte auf zahlreichen Scheiben des Dunhill-Labels im Hintergrund Gitarre.

P.F. Sloan - SailoverP.F. Sloan - SailoverAber schon ungefähr 1967, Sloan war 22, endete dieser Lauf (Der schon in den frühen 60ern mit einer Reihe Surf-Hits für die Fantastic Baggys begonnen hatte) und in den 70ern hatte Sloan sein Geld irgendwie verschleudert und lebte auf someones couch, wie er in Interviews erzählt. Sloan war zu dem Zeitpunkt der Musikwelt so weit entrückt, dass Songwriter-Kollege Jimmy Webb 1971 einen Song "PF Sloan" und behauptete, den Namen zufällig gewählt zu haben und dass es einen echten PF Sloan gar nicht gegeben habe. Und als ob das noch nicht genug wäre, behauptete Brian Wilsons Psychotherapeut Eugene Landy später, er selbst sei PF Sloan gewesen.

Nun ja, alles vergeben und vergessen (Landy starb übrigens Anfang des Jahres), irgendwie hat Sloan den Weg zurück ins Musikbusiness geschafft, wie es aussieht. Und mit "Sailover" ist ihm dabei noch eine wirklich gelungene countrybeeinflusste Singer Songwriter-Scheibe gelungen. Alte Nummern wie "Sins of a Family", "Eve of Destruction", "Halloween Mary", "From a distance" und "Where were you when I needed you" klingen auch Dank der Gäste Lucinda Williams und Frank Black nie antiquiert. Dazu gibt es neun neue und abwechslungsreiche Songs, mal angenehm und relaxt rockig wie der Titelsong oder "Love is 4giving", dann wieder in bester Erzähler-Manier zur akustischen Gitarre mit dezenter Begleitung wie bei "Cross the Night" oder "All that time allows" oder auch im Rockabilly-Country-Style wie "Hollywood Moon". Und allen, die seinerzeit (und bis heute) "Eve of Destruction" für einen Bob Dylan-Song hielten, zeigt Sloan auf "PK & the evil Dr.Z." dass auch heute noch niemand Dylan besser nachahmen kann. Ein absolutes Schmankerl!

Auch wenn PF Sloan mit dieser Scheibe wohl kaum mehr Erfolg als mit seinen Soloscheiben vor 40 Jahren haben dürfte, so muss man ihm attestieren, dass er einen vollkommen peinlichkeitsfreie, ja eigentlich eine wirklich gute Platte abgeliefert hat, an der Americana-Freunde wirklich Spaß haben können.

Dominik Engel

P.F. Sloans Homepage (Wohl "Work in Process", aber dort findet u.a. schon ein interesssantes Interview)

Ein weiteres Interview

 

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