 „Catalogue“ dient genau dazu, nämlich den künstlerischen Anspruch der Pet Shop Boys aufzuzeigen – der übrigens leicht zu übersehen ist, wenn im Radio ein Song der Band läuft. Denn trotz aller subversiven Texte und beißender Ironie bleiben vor allen Dingen die immer sehr gefälligen Melodien im Ohr. Mauern eingerissen und Blut gelassen haben Neil Tennant und Chris Lowe wahrlich nicht, was ihr musikalisches Werk angeht.
Dennoch haben sie stilübergreifend gewirkt und sicherlich eine Menge Musiker beeinflusst. Wer sich noch an die Mitte der 80er erinnern kann, weiß, dass es für „West End Girls“ einfach keine Schublade gab. : War es Rap? War es noch New Wave?
Oder, was war das für eine bodenlose Frechheit 1991, als die U2-Hymne „Where The Streets Have No Name“ mit dem Disco-Schlager "I Can´t Take My Eyes Off You“ in einen Topf geworfen wurde?Von Anfang an haben die Pet Shop Boys bewusst an ihrem „Mythos“, an ihrer Marke und ihrem Image gearbeitet und das vor allem visuell. Das Image war in den 80ern fast noch wichtiger, als die Musik, was oft genug zu schlimmen Auswüchsen geführt hat.
Diese Suche nach Erkennbarkeit im Zeitalter der „Frisurenbands“ und die Geschmackssicherheit von Tennant und Lowe ist nun im „Katalog“ dokumentiert. Und da die beiden einfach nie aufgehört haben, sich immer wieder in neue Kostüme zu werfen, immer verrücktere Bühnendekorationen zu entwerfen – sich also fortwährend neu erfunden haben, verdienen sie es, die „Avantgarde der Popmusik“ genannt zu werden. Das Buch ist in erster Linie ein opulenter Bildband, aufgebaut wie ein Katalog einer Kunstausstellung und gedruckt auf schwerem Kunstdruckpapier im Format 25cm x 23,5cm.
Aber nicht nur die 2000 Fotos von Plattencovern, Videoclips und sonstigen Fotoshootings beeindrucken. Zu jeder Produktion einer Single, eines Albums oder eines Videos gibt es ausführliche Informationen von den Beteiligten – und so erzählt „Catalogue“ lückenlos die Geschichte des englischen Ausnahme-Duos. Ein ausführliches Interview in dem Interessantes über Arbeitsmethoden und Einflüsse zu Tage kommt, rundet das sinnliche Erlebnis ab. Die Autoren, der Musikjournalist Chris Heath und der Kulturhistoriker Philip Howe(sic!), zählen zum engsten Freundeskreis der Band und haben mit „Catalogue’ den ersten offiziellen Bildband über die Pet Shop Boys vorgelegt, der nicht nur für Fans interessant ist - das Buch ist Zeitgeschichte in ihrer sinnlichsten Form: Farben, Musik und Design. vladinova
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