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Hörbuch - Deutschland. Ein Sommermärchen. Das WM-Tagebuch 

07.11.2006

Knapp zwei Wochen nach dem Kinostart erschien nun also auch „Deutschland. Ein Sommermärchen“, das WM-Tagebuch von Sönke Wortmann, auf drei CDs und mit über drei Stunden Spieldauer, gelesen von Stefan Gebelhoff. An wen aber richtet sich dieses Hörbuch? Jeder, der während der Weltmeisterschaft mitfieberte, 4 Wochen lang wahlweise fußballrunde oder auch viereckige Augen bekam, der hat den Film wohl schon im Kino gesehen. Denn dort bekommt der gemeine Fußballfan auch Einblick in die Bereiche, die ihm bisher verschlossen und damit Gegenstand unzähliger Mutmaßungen und Spekulationen waren.

Hörbuch - Deutschland. Ein Sommermärchen. Das WM-TagebuchHörbuch - Deutschland. Ein Sommermärchen. Das WM-TagebuchDie Stärken des Kinofilms „Deutschland. Ein Sommermärchen“ sind die tatsächliche und doch dokumentarische Echtzeit, welche die Macht der Bilder und die Brisanz des Augenblicks zusammenführt. Diese muss das gleichnamige Hörbuch natürlich missen. Sönke Wortmann und sein Schreiber Christoph Biermann sind sich dieses Mangels aber durchaus bewusst und begehen auch nur einmal, dafür aber gleich zum Einstieg den Fehler, Situationsdramatik beschreiben zu wollen. Vielmehr kommt es dem Tagebuch durchaus zugute, dass es streng genommen gar kein Tagebuch ist, sondern eine im Rückblick verfasste Dokumentation. Mit diesem Kniff umgehen die Schreiber einerseits der Falle reißerischer und dem Moment geschuldeter Plattitüden, andererseits gibt es ihnen die Möglichkeit, die Zusammenhänge in größerem Umfang darstellen zu können, indem sie auch zukünftige Ereignisse vorwegnehmen, wenn es nötig ist.

Bei drei Stunden und 23 Minuten Spieldauer erfährt der Hörer dennoch wenig mehr über die Eigentümlichkeiten innerhalb der Mannschaft, als er durch den Film bereits weiß. Die Enttäuschung darüber sollte man aber gar nicht erst aufkommen lassen, denn die Tiefe dieses Tagebuchs liegt nicht in einer weitergehenden Voyeurismusbefriedigung, sondern in den überaus klugen Analysen und den immer wieder eingestreuten Essays. Detailreiche Rückblenden in vergangene Fußballzeitalter werden, wenn nötig, kenntnisreich vorgetragen und runden das Bild ab. Kam der Film glücklicherweise ohne Offkommentar aus, ist Wortmann in seinem Tagebuch dagegen gezwungen, Situationen ausführlich zu beschreiben, die der Filmzuschauer mit einem Blick erfasste. Diese Längen sind etwas zermürbend, zumal die Akzente exakt wie im Kinofilm gesetzt sind, der Hörer also gesehene Situationen nun noch einmal beschrieben bekommt.

Herausgekommen ist insgesamt ein akribisches Dokument nicht nur dieser Weltmeisterschaft und des Fußballs auf höchster Ebene insgesamt, sondern vor allem auch ein Porträt Sönke Wortmanns und der Schwierigkeiten, welche die Realisierung eines solchen Films mit sich bringt. Fans, die allein am Fußballerlebnis interessiert sind, brauchen dieses Hörbuch nicht. Wer jedoch Fußball gerade auch in seinen kulturellen Ausprägungen und Zusammenhängen zu schätzen weiß, der überspringe den Vorspann und lausche.

Dennis Deter

http://www.deutschlandeinsommermaerchen.kinowelt.de

 

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