 Wer jedoch gleichzeitig auch die Musik extrem links hält, klingt schnell konfus, abstrus und einfach unrhythmisch, so wie bei neueren Alben der Goldenen Zitronen beispielsweise.Linke Musik ist halt mit einem Strukturproblem behaftet. Im Gegensatz zu affektbehafteten rechten Parolen, zu Todschlagargumenten („Isso“), zum Festhalten an gewohnten Strukturen, will die Linke ja vor allem durch die Kraft des guten Arguments überzeugen, nicht vereinfachen, sondern Probleme in ihrer Unüberschaubarkeit darstellen und dann lösen. Kurz: Rechts wäre eher gefühlbetont, links wäre eher vernunftorierentiert. (Protestmails bitte an den Autor). Da die Musik jedoch immer eher gefühlsbetont ist, wird linke Musik schnell zu verkopft und damit nicht mehr tanzbar. Knarf Rellöm ist dafür ein gutes Beispiel. Um die Inhalte zu transportieren, bedient sich Knarf Rellöm meist des Sprechgesangs, weil er es nicht schafft, seine Gedanke in knackige Reime und Parolen zu packen, beziehungsweise es gar nicht will. Dazu kommt, dass er sich in den Texten wie auch in der Musik unzähliger Anspielungen bedient, die erst mal bekannt sein müssen, um den vollen Sinn der Songs zu erfassen. Zwei Höhepunkte dieser Intellektuellenwichse (wie Judith Holofernes es nennen würde) sind „What's That Music?“ und besonders „LCD Is Playing At My House“. Bei beiden Songs werden unzählige Bands und Musiker hintereinander aufgezählt, bei letzterem Lied werden einige der Musiker demonstrativ auf dem Hause des Musikers geschmissen. Wer die aufgezählten Bands nicht oder nur teilweise kennt, kann gar nicht das Prinzip erkennen, warum diese Band spielen darf und die andere aber scheiße sei. So ähnlich funktioniert das inhaltliche Verständnis der meisten Songs. Sprich: Das ist Studierenden-Musik. Kann nur von Studierenden gemacht und eben auch verstanden werden. Ich sehe förmlich die bebrillten Music-Nerds vor mir (ich könnte auch in den Spiegel schauen), wie sie sich genüsslich den Bauch reiben, weil sie so gut wie alle der aufgezählten Bands kennen und einordnen können und so toll fühlen, weil sie anderen etwas – wenn auch sehr Unwichtiges – voraus haben. Somit wird die Musik aber zu elitärer Brühe, um es provokant zu formulieren. „Preaching To The Converted“, also „Beten zu den bereits Bekehrten“ heißt ein Spruch, der es genau fasst. Die Massen in der Großraumdisko werden diese verkopften Tracks nie zu hören kriegen, auch wenn die Beats meist genauso stumpf und monoton sind wie das dortige Programm. Bevor das hier wie eine Hasstriade klingt, noch eine Klarstellung: Ich mochte Knarf Rellöms „Autobiografie einer Heizung“ und auch auf der aktuellen Platte „Move Your Ass & Your Mind Will Follow“ sind einige nette Ideen und noch viel mehr politisch korrekte Aussagen zu finden. Trotzdem sind mir Bands wie Chumbawamba lieber, die ihre Aussage in süße Zuckersongs verpacken, damit sie nicht so weh tun. Aber mit solch einer Haltung bin ich für Musiker für Knarf Rellöm sicher schon reaktionär. Ach, scheiß drauf. Ich will zur Musik tanzen. Lernen kann ich beim Bücher lesen.
Robert Kneschke
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