 Olli Schulz: Ich war, ehrlich gesagt, nie ein großer Beck-Fan. Das ist ein tolles Album, aber ich fand ihn schon immer unsympathisch, genauso wie ich Adam Green immer unsympathisch fand. Ich glaube, das sind quengelige, exzentrische Künstler. Ich weiß auch, dass Beck anstrengend ist, denn ein Bekannter von mir war Tourleiter von ihm und hat ihn auch so erlebt. Aber die machen auch besondere Sachen und haben das Recht, exzentrisch zu sein. Beck ist auf alle Fälle ein großartiger Künstler, ein wichtiger Künstler für die 90er-Jahre gewesen. Inzwischen hat er nicht mehr so die Bedeutung. Er macht immer noch gute Platten, bewegt aber nicht mehr die Musikgeschichte wie vor zehn Jahren mit „Odelay“ oder so. Ob er bei Scientology ist, ist mir, ehrlich gesagt, ziemlich egal.Ben Folds - „Rockin’ the suburbs“ Olli Schulz: Kenn’ ich natürlich auch, Ben Folds. Den Song mochte ich nie so gerne. Ist der schlechtes Song von „Rockin’ the suburbs“, finde ich. Ich finde das Video witzig. Der Song hat auch ein paar witzige Textzeilen, aber es war der erste Song vom Album, der mir auf die Nerven ging. bloom.de: Ich sehe große Parallelen zwischen euch – dieses Nebeneinander von Witzigem und Tragischem. Olli Schulz: Das mag ich auch an ihm, dass er das auch so verbindet. Und das er ein Clown ist auf eine Art und Weise, vor allem auf der Bühne, aber auch sehr tiefe Sachen macht. Das finde ich sehr sympathisch. Das letzte Album war nicht ganz so gut, da habe ich mich sehr geärgert. Und die Liveshows mit der Band waren auch nicht so gut. William Shatner - „Real“ Olli Schulz: Das ist … nicht sagen … Barenaked Ladies! bloom.de: Nein! Olli Schulz: Es gibt ein Lied von denen, das fängt genauso an. (als der Gesang einsetzt) Ah, das ist William Shatner. Ein paar Lieder nerven mich auch auf dem Album, aber das ist ein super Song. Aber mein Lieblingslied ist (singt) „…years of silence…“, wunderschön, gerade auch der Text dazu. Der Typ, der da singt, klingt aber wie der eine Sänger von den Barenaked Ladies, voll, ist er das vielleicht sogar? bloom.de: Nein, das ist Brad Paisley, ein County-Sänger. Aber in diesem Song findet sich auch wieder diese Mischung aus Komik und Tragik
Olli Schulz: William Shatner ist ein toller Typ. Der hat mit über 70 noch diese Platte gemacht, ist in Interviews auch noch sehr agil, und ich glaube, der will jetzt noch mal sein Leben so auskosten, das finde ich sehr beeindruckend und bewundernswert. Ist auf jeden Fall eine super Platte, eine interessante Platte. Auch die Version von „Common people“ ist super. Kante - „Die Wahrheit“ Olli Schulz: (beim ersten Ton) Kante natürlich. Auch wie unser neues Album von Moses Schneider produziert und wir haben den Song schon während unserer Produktion gehört. Der beste Song auf der Platte, finde ich. bloom.de: Er erinnert mich auch an zwei Songs von Deinem neuen Album, „Der Rückspiegel“ und „Wenn das Leben dich beißt“. Olli Schulz: Ja, aber das ist, glaube ich, eher unbewusst. Bei mir sind das aber eher Stories, und das hier ist ja keine Geschichte, sondern eher eine Fakten. Das ist schon typisch Hamburger Schule-Text. Ich finde das super, bin auch großer Fan von denen und auch Fan von Blumfeld, aber was mich manchmal an den Texten, auch von Tocotronic, aber vor allem von Blumfeld, langweilt, ist, dass die keine Geschichten erzählen, zum größten teil, sondern das immer Fakten sind, sondern es geht immer darum „der Staat“, „Du da“, „die Welt“, es sind wenig Geschichten. Ich finde es immer toll, Geschichten zu erzählen. bloom.de: Kante lassen den Song ja bis zum Ende düster, während Du es ja bei beiden Songs zum Ende harmonisch auflöst. Olli Schulz: Ja, ich wollte kein Lied machen „Hey, wir alle müssen so leiden“, sondern ich wollte sagen „Klar ist das Leben manchmal schlecht und manchmal entdeckst du dich und denkst ‚hey, ist das alles scheiße’“, aber ich glaube, nur wenn man solche Emotionen hat, kann man auch die Emotionen haben, zu sagen „hey, es gibt unheimlich schöne Momente im Leben“ und kann diese Momente auch richtig schätzen. Und das will ich damit ausdrücken. bloom.de: Und wie kam es zur Zusammenarbeit mit Moses Schneider? Olli Schulz: Ich habe mit dem zufällig mal B-Seiten für die letzte Platte aufgenommen und fand den gleich super. Ich habe mich super mit ihm verstanden, Swen Meyer hatte sowieso keine Zeit, hat die neue Platte aber gemischt, und Max und Dennis von meiner Band hatten auch große Lust, mit Moses aufzunehmen. Wir haben live aufgenommen, das ist ja seine Spezialität, das macht er ja auch mit Tocotronic, Kante, Beatsteaks und das haben wir auch gemacht. Das war mal ein Abenteuer, das habe ich vorher noch nie gemacht. Deswegen habe ich mich auch mal so richtig als Musiker gefühlt bei dieser Platte. Whitney Houston - „One moment in time“ Olli Schulz: Kenn’ ich nicht. … Abba? … Whitney Houston? bloom.de: Richtig. Olli Schulz: Das Lied mochte ich nie, weil es immer bei der Olypiade lief, ist aber bestimmt ein gutes Lied, ich habe ihn nur zu oft schon gehört. Aber für solchen Kitsch habe ich einen ganz großen Nerv. Ich mag auch nicht, das hört sich jetzt scheiße an, Black- oder Soul-Musik. Das hat nichts damit zu tun, dass ich irgendein Problem mit einer Kultur oder so habe, aber man muss echt mal sagen, es gibt ein paar gute Lieder, erschreckender weise von R. Kelly, der ja menschlich ein großes Arschloch ist, die sind echt gut. Aber mit Whitney Houston kann man mich eigentlich jagen. Whitney Houston, Mariah Carey, Toni Braxton - alle in einen Sack und mit ‚nem Knüppel drauf, trifft nie die Falsche (lacht). Bei Blackmusic gibt’s ein paar tolle Ausnamen, Outkast, aber das weiß man ja auch. Es gibt auch witzigen HipHop wie Cypress Hill früher, aber das meiste ist echt Schrott. Das Interview führte Johannes Mihram. Fotos: Felix Gebhard Den ersten Teil des Interviews gibt es hier zu lesen.
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