 In Deutschland gelten die Cheeks nun schon fast ein Jahrzehnt als kompetente Power-Pop Combo, leider mit eher mäßigem kommerziellem Erfolg, obwohl zumindest die Single "Mr.Rain" vom Album "Royal Pop Elevation" mehrBeachtung verdient gehabt hätte. Mit "Raw Countryside" erscheint dieser Tage nun das erst dritte Album der Band. Das Namedropping im Promo-Sheet ist beeindruckend, wobei der Produzent Alaska Winter wohl nur beim Rezensenten Aufmerksamkeit erregt, weil dessen Ex-Band Unemployed Ministers mit "Not kaputt really" eine der genialsten, ähem, ja Power-Pop-Scheiben aus Deutschland aufgenommen haben und da stimmte diese Bezeichnung unbedingt. Ansonsten lesen sich die genannten Inspirationen der Band (Byrds, Love, Zombies, Kinks, Left Banke, Flamin' Groovies und Teenage Fanclub) wie ein flüchtiger Blick in mein Plattenregal und lassen natürlich die Erwartungshaltung in die Höhe schnellen. Das bringt aber auch mit sich, dass sich beim ersten Hören zunächst Enttäuschung einstellt, denn hier wird kein neues "Younger than Yesterday", kein neues "Odessey and Oracle" und auch kein neues "Forever changes" geboten. Aber wegen der verschiedenen Boni hört man sich die Platte natürlich noch ein paarmal an, bevor man letzlich die Rezension schreibt. Und tatsächlich wird sie mit jedem Hören besser, man bemerkt auf einmal die beatlesken-Harmoniegesänge beim Opener "The day they closed the Countryside", die Love'schen Mariachi-Trompeten bei "Honeymoon Hell", das an die Who erinnernde Synthie-Gewabber zum Beginn von "High upon a rooftop" und "Digging for Gold", die Harfen, die Geigen, die Oboen und das Cembalo. Und wenn das nun fast so klingt, als wäre die Scheibe ein zusammengeklauter Gemischtwarenladen, so täuscht das, denn alle Anlehnungen sind so wohldosiert, dass man sie kaum beim ersten Hören identifizieren kann. "Raw Countryside" ist eine tolle Power-Pop-Scheibe mit einer Menge Power und noch mehr Pop-Appeal und dem psychedelischen Höhepunkt "California falling into the Ocean". Einfach kaufen und in 25 Jahren eine gesuchte Rarität und musikalische Perle besitzen. Grandiose Scheibe, die doch das Zeug hat irgendwann mit dne oben erwähnten Meisterwerken in einer Reihe genannt zu werden. Dominik Engel
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