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Was in den frühen 90ern als kleines ungarisches Studentenevent mit
40.000 Besuchern begann, hat sich in den letzten 14 Jahren zu einem der
größten und vielfältigsten international bespielten und besuchten
Festivals Europas entwickelt.
Anfang August wird auf der Óbuda-Insel in der Donau mitten in Budapest
eine riesige unüberschaubare Festivalstadt aufgebaut. Auf über 40 Bühnen und in diversen Discos wird das musikalische Spektrum
weitgehend abgedeckt. Für Tanz, Theater und Kino ist auch gesorgt. Auch
jede Menge Sport kann man sich aufs Programm setzen: Kletterwände,
Fußball- und Beachvolleyballplätze, Unmengen von Kickern, Swimmingpool
und Tischtennistische stehen bereit, für den Denksport gibt’s ein Zelt
mit Schach, Go und Co. Wem das zu langweilig ist, der kann bungeejumpen,
sich tätowieren lassen, Gokart fahren, Ungarisch lernen, ein Jogi
werden, mal bei der Suchtprävention vorbeischauen, sich von der
Überlegenheit der Atomkraft überzeugen lassen, in einem Pool aus
Schokolade baden, bei den Gauklern ein paar Kunststücke lernen, Töpfern,
shoppen gehen, ja, und natürlich Essen und Trinken!
Das kulinarische Angebot ist mannigfaltig (Stelze und anderes deftigen
Gegrilltes, ungarische Hausmannskost, diverse asiatischen Varianten,
Koscheres, Bio, Vegetarisches, ...), und das alles (noch) zu Ostpreisen! .
 Nun zum Musikangebot: Die größten Bühnen auf der Sziget sind die
Main Stage, konzipiert für 40.000 Zuschauer, und die Weltmusikbühne für
15.000, beides Openair-Bühnen. Nach der Größe kommt dann die wan2 Stage
die hauptsächlich große ungarische Bands bespielen und die Hammerworld
Bühne für Metal und Hard Rock, beide in einem Zelt untergebracht.
Weiters gibt’s die Rockinform Bühne für noch mehr Rock aus Ungarn, die
Zùzda-Bühne für Ska, eine Jazzbühne, eine Bluesbühne, eine Pop-Bühne
und ein Roma-Zelt, eine Afro-Latinbühne, und noch viele weitere mit
gemischtem Programm.Das medienwirksamste Aushängeschild des Festivals ist wohl das Lineup
der Main Stage.
Radiohead konnten am Samstag wohl die meisten Leute begeistern.
Mit einem unglaublich guten ausgewogenem Sound, der auch ohne
übertrieben laut zu sein fett genug war, spielten sie zwei Stunden lang
einen "Hit" nach dem anderen, dazwischen ein paar ungarische
Newsflashes. Schön inszeniert war das ganze obendrein, mit einem
Leinwand-Mosaik als Bühnenhintergrund, auf das schräge Close-ups der
Musiker projiziert wurden. Jovanotti, schon zum dritten mal am Sziget, machte auch ordentlich
Stimmung. Zwischen lockeren Musikzitaten der Chemical Brothers, Bob Marley, White Stripes und Nirvana, brachte die Pop/Rock-Combo mit der er
auftrat vor allem die neuen Nummern gut rüber, und die Menge zum Tanzen.
Seinen Auftritt von 2002, den er mit einer großen Worldmusic-Truppe
absolvierte konnte er allerdings nicht überbieten. Aber das hat wohl
auch niemand erwartet. .
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 Auch das restliche Main Stage-Hauptabendprogramm konnte sich hören und
sehen lassen. Franz Ferdinand, Scissor Sisters, The Rasmus, Placebo und
Prodigy lieferten gute Konzerte ab, wie man es von ihnen gewöhnt ist.
Auch zu früherer Stunde war die Hauptbühne hochkarätig besetzt.
Therapy?, Ministry und dEUS zum Beispiel. Gute Laune verbreiteten auch
die Beatsteaks, die am Montag die Hauptbühne eröffneten: Spaßige Show
und eine sehr charmante Reggea-Version von QotSA's "No One Knows".Auch die begnadete Bassistin und Sängerin Meshell Ndegeochello war mit
einer Dub/Rock-Combo mit dabei. Und sie sang auch wieder, was sie seit
ihrem neuen Album mit dem Wunsch mehr in den Hintergrund zu treten
unterlassen hatte.
Den letzten Tag eröffnete Living Colour. Die verkannten einstigen
Crossoverpioniere machten ganz schön Druck, und ebneten so den Weg zum
anschließenden Iggy Pop Konzert. Der ließ dann die Sau raus und die
Hosen runter wie eh und je, und kommentierte das ganze mit "I am you".
Dann kam noch das ungarische Anima Sound System, und zum krönenden
Abschluss Prodigy. Auf der Weltmusikbühne heizte das Boban Marcovic Orkestra mit ihrem
riesigen Bläser-Ensemble ordentlich mit Balkanmusik ein. David
Krakauer's Klezmer Madness zeigten wie man die Menge mit einer wilden
Mischung aus Klezmer, Jazz, Pop, etc. zum Tanzen bringt. Auch dabei
Goran Bregovic Wedding and Funeral Band, leider Zeitgleich mit
Jovanotti, 17 Hippies, das Pannonia Allstars Ska Orchestra, Afro Celt
Sound System uvm. .
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 Im Metalzelt gab’s Cradle of Filth, Death by Stereo, Sick Of It All,
Gamma Ray, Fear Factory, Cathedral, Exploited, und insgesamt sieben mal
neun Acts von vier Uhr nachmittags bis vier Uhr morgens.Das Besondere am Sziget sind aber nicht die Stars die hier engagiert
werden, sondern es sind Flair, Stimmung und Vielfalt in jeder Hinsicht,
die dieses Festival ausmachen.
So sahen wir auch eine Straßentheateraufführung des Theater Titanick,
die mit Akrobatik, Pyrotechnik, und ihren wild zusammengebastelten
Gefährten, die auch mitten durch die Zuschauermenge fuhren, beeindruckten.
Auch die Butoh Tanzperformance der Japanerin Yukiko Nakamura und das
Stück Atlantis des Szegedi Kortárs Balletts waren interessant und
stimmungsvoll. Im Unterschied zu den meisten anderen Festivals kann man hier an jedem
mehr oder weniger geeigneten Platz sein Zelt aufschlagen. Lästige
Festivalbandkontrollen fallen also auf der Insel selbst weg. Ein Nachruf sei hier noch auf die Arany Aszok-Welt ausgesprochen. Das
Planschbecken in Fußballfeldformat, mit dem sie zum feuchtfröhlichen
Rutschfußball einlud, fehlte dieses Jahr. Mit dem Rückzug der Biermarke
Arany Aszok ist auch das Bechersammelsystem Szigetgeschichte. Für leere
Bierbecher gabs dort die Teilnahme an oben genanntem Spiel, oder diverse
Werbegeschenke, von Kartenspielen über Fußbälle bis zum Ein-Mann-Zelt. Dafür gab’s dieses Jahr eine große Karaoke-Bühne gesponsert vom heurigen
Bieranbieter. Überhaupt ist Karaoke auf der Sziget groß im kommen, an
kleinen Ständen, auf besagter Bühne, und sogar eine Bluebox gab’s, in
der man mit zur Verfügung gestellten Requisiten sein Karaoke-Video
drehen konnte, das zeitgleich vor dem Stand ausgestrahlt, und zum
mitnehmen auf DVD gebannt wurde. Es gab natürlich noch viel mehr zu entdecken auf diesem Festival.
Am besten man fährt nächstes Jahr einfach selber hin.
Egészségedre! Text: Julian Mayerhofer /
Fotos: Stephan Klapszus
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http://www.sziget.hu/festival_german
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