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Cursive - Happy Hollow 

11.08.2006

Das Leben abseits der Metropolen, es gleicht einem Abziehbild anhaltender Trostlosigkeit, gerade in den dereinst Land der unbegrenzten Möglichkeiten getauften Vereinigten Staaten. Die weinigen zentralen Stationen und Schauplätze sind Kirche, Arbeit, Shopping, Fernsehen, Schlafzimmer, hin und wieder ein Sportereignis oder eine Festivität. Berechenbare und unbrechbare Gleichförmigkeit machen erschreckend eintönige Kleinstadtgeschichten aus. Cursive übertragen diese Furcht einflößenden Verhältnisse in die aufgeregten Lieder ihres “Happy Hollow“-Albums, einer bedrückenden und bedrohlich realistischen Milieustudie, welche ohne Überzeichnung auszukommen vermag.

Cursive - Happy HollowCursive - Happy HollowTim Kasher singt, wimmert, zetert, jault und brüllt. Seine Worte bezeichnen ganz gewöhnliche amerikanische Alpträume, verweisen auf Abstumpfung, Belanglosigkeit, Monotonie und die ideenlose Unmöglichkeit des Ausbruchs. Allein der nächtliche Traum bietet vorübergehende Veränderung, verweist auf Erleichterung und Flucht. Doch keine Vorstellung reicht in den Tag und Wachzustand hinein. Desillusioniert marschiert die Kleinstadtbevölkerung durch die eigene Misere, vor allem durch Gottesfurcht und devotes Obrigkeitsvertrauen gezähmt und gelähmt.

Cursive - Happy HollowCursive - Happy HollowUm die untragbaren Verhältnisse aufzuzeigen, agiert Cursive drastisch, erschafft komplexen und gleichsam stark konzentrierten Indie-Rock. Kraftvoll, intensiv und präzise stößt das Quartett in das stupide Treiben der Städtchen und Dörfer. Man seziert engagiert, tief aufgewühlt, fast verzweifelt, die heuchlerischen Freiheitslügen des Land Of The Free. Das Schlagzeug hämmert, die Saiten schwingen verzerrt, Akkorde schlagen aus, schraddelnde Gitarren produzieren aufheulende Riffs, welche mehrfach von schneidenden Sätzen der Blasinstrument-Sektion angefeuert werden. Doch auch ruhigere Töne der Nachdenklichkeit und Trauer ziehen in den Alltagshorror-Szenario-Kanon ein, der im nächsten Moment, spätestens aber im nächsten Song, erneut aufbranden kann respektive muss. In dynamischen, vielschichtigen und trotzdem sehr kompakt konzipierten Stücken impliziert Tim Kasher seine Gesellschaftskritik. Frei von Parolen oder dumpfen Schlussfolgerungen versammelt er Beobachtungen, deren Deutung komplett dem Hörpublikum überlassen bleibt.

T. Stalling

http://www.cursivearmy.com - http://www.saddle-creek.com

 

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