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Kante - Die Tiere sind unruhig (04.08.2006) 

02.08.2006

Grollen und Schwüle sind zwei mögliche Anzeichen. Ein gewöhnliches Naturspektakel oder plötzlich realisierte Phänomene im Bereich der politischen Wetterlage kommen näher. Wer kann es spüren, dieses unbenannte Ereignis, welches sich anbahnt und ein Sturm sein könnte? Kante können zumindest das Herannahen aus dem Verhalten vieler Kreaturen schließen. “Die Tiere sind unruhig“, jederzeit könnte die Zeit gekommen sein. Es liegt in der Luft, was dies Es auch sei.

Von dieser knisternden Spannung aufgeladen, von deren Form der Entladung vorerst allein Ungewissheit bleibt, elektrisierende Ahnung und entfachte Neugierde, nähern sich Kante mehrfach dem Rock. Sie sind ihm ganz nah, wenn es heißt: “Nichts geht verloren“ und “Ich hab´s gesehen“. Allerdings meint dieser Umstand nicht, dass nun hüftschwingender, Jugendlichkeit erweckender respektive transportierender, halbstarker Rock´n´Roll einzieht, auch kein Hard Rock, Heavy Blues, Garagenkrach oder radiotauglicher Deutschrock. Um die Qualität dieser Musik andeutungsweise zu umschreiben, bedarf es kaum erhellender adjektivischer Begrifflichkeiten, Worten wie kratzig, nervös, aufwühlend, flirrend. Es ist dieses angezerrte, drängelnde Akkorde, energisches Saitenschrummen, dieses ebenmäßig angeschlagene Geschrängel, welches, nach wie vor, hypnotische Sogwirkung ausübt: “Die Wahrheit“ - im Hinterkopf sind die Velvet Underground oder Sonic Youth.

Kante - Die Tiere sind unruhig (04.08.2006)Kante - Die Tiere sind unruhig (04.08.2006) Sie können aber auch weiterhin anders. <b>Kante</b> arrangieren großartig, intelligent, songdienlich. Selbst auf diesem gruppendynamischen Ensemblealbum, welches fast ohne Overdubs auskommt, verfeinern Bläsersätze und dezente Streichinstrumente, Perkussion und Elektronik die Instrumentenstimmen. Sorgsam gewählte Worte schweben über Klavier-Akkorde – “Die Hitze dauert an“ -, treffen jedoch ebenso auf aggressive Gitarren. Kante entwickeln auch federnde Grooves zu Historie-Kommentaren, während derer das Geschehen Sprechgesang streift und, samt Kalimba und Saxophon, quasi in eine Annäherung an afrikanische Funk-Lockerheit, welche oft Afro-Beat heißt, mündet: “Die grösste Party der Geschichte“.

Kante - Die Tiere sind unruhig (04.08.2006)Kante - Die Tiere sind unruhig (04.08.2006)

Bereits im ersten, das Album betitelnden Lied fassen Kante, ganz natürlich und frei von Verkrampftheit oder mediokren Annäherungsversuchen, die vergangenen Alben Blumfelds, den Weg vom schroff und forsch voranstrebenden Noise-Pop, auch über die kurzen Etappen durchaus anklagender Diktatur-Bestandsaufnahme-Musik verlaufenden, zur schönen Innerlichkeitskomposition führenden Weg, zusammen. Die lange Strecke von den Neunzigern in das dritte Jahrtausend, von “Die Ich-Maschine“ bis “Jenseits von jedem“, passiert in sechs Minuten. Dies kann geschehen, weil Peter Thiessen diese über Jahre, direkt neben Jochen Distelmeyer, zurücklegte.

T. Stalling

http://www.kantemusik.de - http://www.labelsmusic.de/kante

 

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