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Neil Slaven - Electric Don Quixote 

17.07.2006

Dieser Mann ist eine erstaunliche Vielheit, ein Komponist, Gitarrist, Arrangeur, Produzent, Film-Regisseur, eine der innovativsten und einflussreichsten, aber auch umstrittensten Figuren der Rockgeschichte. Frank Zappa, der Vater der "Mothers Of Invention", ist ein passionierter Kaffeetrinker und unersättlicher Zigarettenraucher, ein verächtlich sprechender Kommentator, ein Satiriker und die Nase rümpfender Gesellschaftskritiker, ein fieser Lästerer und blasphemischer Possenreißer, ein derber Humorist und politischer Aktivist, der immer wieder für die Meinungsfreiheit und zugunsten künstlerischer Freiheit spricht. Zu Lebzeiten kreiert er unzählige Lieder und instrumentale Musikstücke, nimmt er mehr als siebzig Studio- und Live-Alben auf. Er ist ein kultisch verehrter Querkopf und gilt seinen Fans weiterhin als Gigant oder gar als Genie. Dieserart urteilt auch Neil Slaven, begeisterter Anhänger Zappas und Autor der umfassenden Biografie "Electric Don Quixote".

Neil Slaven - Electric Don QuixoteNeil Slaven - Electric Don QuixoteDabei stolpert der dürre Frank Vincent Zappa Jr. zu Beginn seines Lebens eher ziemlich schwächlich durch das Leben. Doch aus dem kränklichen Jungen wird ein charakterstarker Musiknarr, welcher bis an sein Lebensende seine musikalischen Visionen eifrig und diszipliniert verfolgt und sie, nach eigenen Vorstellungen, umzusetzen versteht.

Um diesen Weg nachzuzeichnen, verwebt Slaven, der streng chronologisch nacherzählt, Aussagen von Kritikern und Befürwortern, von Zappa selbst, von vielen seiner Bekannten und anderen kurz- oder langzeitigen Wegbegleitern. Strukturelle Orientierungspunkte der Erzählung liefert die Musik selbst, Zappas Alben und Tourneen gliedern die detaillierte, wahnsinnig aufwendig und sehr gut recherchierte, faktenreiche und mit vielen persönlichen Statements gefüllte Biographie.

Das gesamte Oeuvre des Amerikaners, angefangen von einigen frühen Singles und Filmmusiken, stellt Slaven vor. Er versammelt Angaben zu musikalischen Einflüssen und Text-Hintergründen einzelner Stücke, führt sämtliche Beteiligten kurz ein und lässt sie oft selbst zu Wort kommen. Auch schildert er Reibereien, aufkommende Unstimmigkeiten zwischen den Musizierenden und eröffnet etwaige, im Rahmen des Alben-Entstehungsprozesses auftretende Widrigkeiten.

Daneben entwickelt Slaven einfühlsam Zappas Probleme mit der kommerziellen Seite des Musikgeschäfts, betont zahlreiche Kräfte zehrende Auseinandersetzungen des oftmals unnachgiebigen Verfechters künstlerischer Freiheit und sturen Kontrollfreaks mit den Bossen der Plattenindustrie. Den absurden Höhepunkt, was Rechtsstreitigkeiten und Vertragsbrüche betrifft, bilden die Geschehnisse um das Mehrfachalbum "Läther". Ein fast schon trauriges, dafür allerdings aufschlussreiches und lesenswertes Kapitel.

Doch so skurril diese Episode erscheinen mag, sie ist eine unter vielen, eine ärgerliche Etappe in einem Leben voller Ausnahmesituationen. Dies verdeutlicht Slavens Porträt, welches trotz zitatreicher Vielstimmigkeit nie zu einem Stimmengewirr oder gar einem belanglos-beliebigen Meinungssammelsurium verkommt.

Besonders ausführlich behandelt "Electric Don Quixote" das Schaffen Zappas in den 60er und 70er Jahren - begleitet Zappa indes bis ans leidvolle Lebensende. Die Zeit der "Mothers Of Invention" und die darauf folgende Schaffensperiode, als Zappas Bands bereits ausschließlich unter seinem Namen auftreten, nimmt selbst in einem Nachbericht abenteuerliche Gestalt an. Wowie Zowie! "You Can´t Do That On Stage Anymore"...

T. Stalling

http://www.bosworth.de

 

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