 Trashlight Vision erfüllen zuerst einmal alle Rocker-Klischees: Uniformen, Lederjacken, Irokesenhaarschnitt, Kajal, Totenköpfe, Lieder unterhalb der Vier-Minuten-Grenze und mit „My brain is hanging upside down (Bonzo goes to Bitburg)“ ist sogar ein Ramones-Cover auf dem Silberling vertreten. Bei „Black Apples“ gibt es außerdem ein paar Offbeat-Gitarrenakkorde, bei denen ich zuerst an The Clash und dann an den Anfang von „The Passenger“ denken muss. Die Band spielt einen nach vorne treibenden „Punk’n’Roll“, straight forward – wobei die Musik mehr Punk und die Stimme von Acey Slade mehr Roll ist. Doch nach den ersten paar eigentlich guten Liedern gewinnt man den Eindruck, dass sich leider alles sehr ähnlich anhört und einem Mitgröhl-Stadion-Rock mit ein paar wenigen, winzigen Metal-Anleihen präsentiert wird – mit vielen „o-ohs“, „oh yeahs“ und „na-na-nas“ im Hintergrund (was auf Dauer ein bisschen nervig ist). Aber das war’s dann eigentlich auch schon, viel mehr als Attitüde bekommt der Hörer bei „Alibis and Ammunition“ nicht um seine Ohren gehauen.Handwerklich gesehen haben die vier Musiker gute Arbeit abgeliefert. Der Gitarrensound ist fett, nur die Soli viel zu kurz: Setzt Steve Haley zu einem an, ist es auch leider schon vorbei. Schade. Die Drums treiben nach vorne und die kreischende Stimme von Acey Slade gibt dem Ganzen einen kleinen Guns’N’Roses-der-späten-Achtziger Touch – was jetzt keine Kritik sein soll. Auch ist unter den 12 Liedern auf „Alibis and Ammunition“ eigentlich kein Aussetzer dabei – trotzdem driftet man nach ungefähr der Hälfte der Platte aufgrund der Eintönigkeit gedanklich weg. Und es gibt kein Überraschungsmoment, das einen wieder zurückholt. Nach dem mid-tempo „Sick one“, dem letzten Lied, habe ich fast nicht gemerkt, dass die Platte schon zu Ende ist. Daher kann ich abschließend nur sagen: „Alibis and Ammunition“ ist nicht wirklich schlecht. Doch der Funke springt bei mir nicht über. Tanja Kellner
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