bloom

Magazin -> Archiv

D’espairsRay – [Coll:set] 

21.02.2006

Wirklich nicht schlecht, was uns die Visual Kei-Japaner D’espairsRay mit ihrem Debüt „[Coll:set]“ aufgetischt haben. Ihr Stil ist nicht leicht in gängige Schubladen einzuordnen – was schon mal ein klarer Pluspunkt ist. Und sie legen sich mächtig ins Zeug: Ihre Songs sind schnell, hart, dunkel, doch eingängig; und zugleich voller Spielwitz, fast schon ein wenig Waltariesk. Besonders hoch anrechnen muss man dem Album die treibende, vertrackte Rhythmik, das souveräne Spiel mit überraschenden Breaks, exotischen Arrangements, spacigen Speed-Loops und originellen, ja zuweilen skurrilen Sounds. Überhaupt klingt die Band am interessantesten, wenn sie mit futuristischen Klängen experimentiert. Das Programming ist hier ein entscheidender Faktor, der die Songs ordentlich aufpoliert. Vergäße die Band ihre Stärken, bliebe nur durchschnittliche Nu Metal-Öde übrig. Das aber ist gottlob nicht der Fall. Klar, an manchen Stellen holpert’s bei dem jungen Quartett noch etwas, aber das Ganze hat den Reiz frischer Spontaneität.

D’espairsRay – [Coll:set]D’espairsRay – [Coll:set]Nicht unerwähnt bleiben sollte Sänger Hizumi. Dessen Gesang ist … nun sagen wir mal … gewöhnungsbedürftig, was ein wenig verschleiern soll, dass wir uns anfangs nicht so recht grün waren, nun aber dicke Freunde geworden sind. Überhaupt versprühen die asiatischen Vocal-Lines – meist japanisch, gelegentlich auch englisch gesungen – einen ganz eigenen Charme und sind überaus abwechslungsreich: so trällert Hizumi in verschiedenen Tonlagen und Stilen durch die Notenleiter – mal lieblich melodisch, mal aggressiv, bis hin zu bissigem Black-Metal-Gebelle, so dass ich mich manchmal an das überragende „Animatronic“-Album von „The Kovenant“ erinnert fühle. Das hat schon was, auch wenn Hizumi noch an vereinzelten Stellen Gegröle mit Emotionalität verwechselt.

Zwar ist nicht jeder Song durchgehend ein Highlight, aber selbst bei eher durchschnittlichen Nummern ist immer wieder ein Break oder Arrangement dabei, das fasziniert. Dann gibt es aber auch Tracks, die regelrecht genial sind, wie das mitreißende „Abel To Cain“– ein Song, der alle Stärken der Band bündelt: hier verschmelzen ungeheure Aggressivität mit lässig-coolen Sounds, bretternde Gitarren mit einem gefühlvollen Refrain. Aber auch „Tsuki No Kiuku – Fallen“ überzeugt voll und ganz – ein Lied mit Hitpotenzial, ohne kommerziell zu sein. Respekt, Respekt. „[Coll:set]“ ist ein packendes Album, D’espairsRay eine Band mit großem Potenzial. Wenn sie nicht auf den monotonen Nu Metal-Zug aufspringt, sondern ihre Eigenständigkeit und ihre Experimentierfreudigkeit ausbaut, stehen uns noch spannende, vielleicht gar grandiose Alben bevor.

Christian Liederer

http://www.gan-shin.de - http://www.despairsRay.jp

 

Cd(s) bei amazon.de kaufen bzw. vorbestellen...

 

 

 


 

Powered by form4

Bei Fragen, Anregungen oder Beiträgen eMail an info@bloom.de.
Für die Richtigkeit der oben stehenden Artikel übernehemen wir keine Gewähr.