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Lemmy – Damage Case–The Anthology 

10.02.2006

Rock’n’Roll, röhrende Stimme, dröhnender Bass, Jack Daniel's, leicht heruntergekommene Erscheinung, bewarzt, und alle lieben ihn. Richtig. Lemmy alias Ian Fraiser Kilmister. Mittlerweile hat er 60 Jahre auf dem Buckel und es weit gebracht. Einst war er Roadie von Jimi Hendrix, heute ist er in Wikipedia zu finden und Tageszeitungen wie Die Welt bitten ihn um Interviews. Für die meisten ist er identisch mit Motörhead, doch es gibt auch noch ein Leben Lemmys neben und vor der Band, mit der er Geschichte schrieb.

Lemmy – Damage Case–The AnthologyLemmy – Damage Case–The AnthologyOhne Frage, er ist eine living legend und 60 Jahre sind ein guter Anlass, Rückschau zu halten. Lemmy tut es mit dem Doppelalbum "Damage Case – The Anthology", das wohlgemerkt nicht unter Motörhead läuft, sondern unter eben unter „Lemmy“, denn es handelt sich gerade nicht um eine Best-Of-Motörhead-Compilation wie es sie schon zuhauf gibt, sondern um eine musikalische Biographie. Natürlich finden sich auch (nur!) eine handvoll Motörhead-Songs auf den beiden Silberlingen, der Rest aber besteht aus anderem musikalischen Material, das unseren Motörköpf porträtiert, wie man ihn kaum kennt.

So darf man auflauschen, z.B. bei Songs aus Lemmys legendären Hawkwind-Zeiten, wo er vor allem mit „Warrior on the edge of time“ einen meterhohen Meilenstein in die Rockgeschichte gesetzt hat. Dazu kommen Ausflüge zu Rock’n’roll-Klassikern aus den 60ern mit Ex-Stray-Cats-Drummer Slim Jim Phantom und Rockabilly-Original Danny B. Harvey. Hinzu gesellen sich originelle Side-Projektchen, wie etwa mit Wendy O Williams oder Dave Grohl.

Zuletzt erweist Lemmy auf seiner „Anthology“ schließlich noch mit ein paar Coverversionen Iron Maiden („The Trooper“) und Metallica („Enter Sandman“, „Whiplash“) seinen Tribut – Bands also, die Mr. Kilmister selbst maßgeblich beeinflusst hat. Sympathisch.

Wen interessiert, was Lemmy abseits von Motörhead musikalisch sonst noch so getrieben hat, dürfte seine wahre Freude an dieser Anthologie haben. Für eingefleischte Headbanger ist die Scheibe eher nichts: Wer auf eine musikalische Motörhead-History hofft, dem ist besser zu einer der vielen Live- oder Best-of-Scheiben der Band geraten – zumal die ausgewählten Songs aus der Ära Motörhead gerade nicht traditionelle Klassiker wie „Ace of spades“, „Overkill“ oder „Bomber“ sind. Lemmys „Damage Case – The Anthology“ ist vielmehr ein Stück Lebensgeschichte und zugleich ein Stück Rock’n’Roll-Geschichte. Es kann auch gar nicht anders sein, "'Cos I'm in love with rock 'n' roll, satisfies my soul / If that's how it has to be, I won't get mad / I got rock 'n' roll, to save me from the gold / And if that's all there is, it ain't so bad / Rock 'n' roll" (Motörhead, „Rock 'n' roll“, 1987).

Christian Liederer

http://www.imotorhead.com/

 

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