 Was die Stärke der Band ist, limitiert sie aber gleichzeitig. Etwas Abwechslung täte den 11 Tracks von "Savage Souls" sicherlich gut und könnte die drohende Eindimensionalität der Songstrukturen aushebeln, andere Stimmungen und Atmosphären erzeugen. Einen Blick über den Power-Metal-Rand in Richtung von Bands wie Tool dürften die Jungs ruhig mal wagen und erkennen, dass man an Abwechslung und auch Härte gewinnen kann, wenn man mit Dynamiken spielt und stellenweise mal das Gaspedal bewusst zurücknimmt und sich nicht immer mit 200 Sachen durch die Songs rifft.Dennoch – Mystic Prophecy sind famose Handwerker, unüberhörbar eine tighte, eingespielte Truppe, die gute Songs schreiben kann. So hat das Album keinen echten Ausfall zu verzeichnen, dafür aber auch keinen echten Höhepunkt. Alle Stücke bewegen sich im High-Speed-Bereich. Einzig der letzte Song fällt etwas aus der Reihe: die obligatorische Ballade, die eigentlich auf keinem Metal-Album fehlt, bei Mystic Prophecy allerdings erfreulicherweise nicht in den üblichen Kitsch abdriftet (wenn auch nur knapp). Fazit: Mit ihrem neuen Album haben Mystic Prophecy einen starken Batzen Blei geschmiedet. Sie sind nicht so dramatisch wie Iced Earth, nicht so atmosphärisch wie Black Symphony, nicht so episch wie Jag Panzer, nicht so mitreißend wie Disturbed und nicht so melodisch wie Riot. Aber man könnte wohlwollend auch jedes „nicht so“ gegen ein „fast so“ ersetzen. "Savage Souls" ist ein gutes, passagenweise sehr gutes Album, jedoch auch kein Klassiker des Genres. Fans der oben genannten Bands sollten trotzdem ein Ohr riskieren und sich "Evil Empires" (garantiert ein Live-Kracher), das durch schöne Vocal-Lines überzeugende "Deception of hate" oder das wuchtige, an Iced Earth erinnernde "Nighmares of demon" in den Gehörgang schmettern lassen. Christian Liederer
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