bloom

Magazin -> Archiv

Jahresrückblick 2005 von Robert Kneschke 

26.12.2005

2005 war das Jahr der britischen Gitarrenbands. In dieser überschäumenden Welle junger, hoffnungsvoller Bands, die doch immer nur wie ein Mix aus den Beatles, den Stones, The Clash und Gang Of Four klingen, sind andere musikalische Glanzleistungen leider vollkommen untergegangen.

Jahresrückblick 2005 von Robert KneschkeJahresrückblick 2005 von Robert KneschkeVor allem im Bereich HipHop und Ska "ging einiges", wie die Szene jetzt sagen würde. Das Muster ist ja bekannt: Wenn der Druck zu groß wird, entwickelt sich irgendwann ein Gegendruck. Für (vor allem deutschsprachigen) HipHop bedeutete dies, dass die allgegenwärtigen Machos und Sexisten, die "Bitches ficken" und "Gangster bleiben" wollten, von einigen kreativen Freaks Gesellschaft bekamen.

Sehr lohnenswerte Alben waren hier "Grenzenlose Freiheit" von FlowinImmo, der seinen Namen ganz zurecht trägt und auf der Platte auch musikalisch die Definition von HipHop erweiterte. Auch Noisy Stylus zeigen, was für hammergeile Beats und Tracks entstehen können, wenn mensch nur mit einigen Plattenspielern scratcht. "Table Manners" wird ein Meilenstein des Turntableism-HipHop werden, merkt euch diese Worte. Leider wird das - wie so oft - sicher erst in einigen Jahren bemerkt werden.

.

Jahresrückblick 2005 von Robert KneschkeJahresrückblick 2005 von Robert KneschkeAus Hamburg meldeten sich Fettes Brot mit "Am Wasser gebaut". Ihre Single "Emanuela" hat sich den Hit-Status redlich verdient, aber auch die Albumtracks, die weniger Aufmerksamkeit auf sich lenken konnten, zeigen deutlich, dass es musikalisch sehr lohnend sein kann, mal in Richtung Soul, Funk oder Jazz zu schielen. Nur das Singen sollten die Rapper noch etwas üben. Noch nördlicher gab es ebenfalls ein Glanzlicht zu sehen, bzw. hören. Die Schweden Looptroop haben mit "Fort Europa" ein politisches Statement abgeliefert, dass fast so viel Gewicht hat wie alle deutschen HipHop-Alben des Jahres zusammen. Ach ja, die Beats sind eh besser, vor allem das Intro. Einfach anhören!

Auch die Nischenszene Ska, die sich in Berlin kuschelig eingerichtet hat, legt unspektakulär, aber dafür regelmäßig neue Kult-Scheiben auf den Tisch. Es fällt schwer, zu entscheiden, welche nun am besten sind, weil sich die Besetzung der Bands sowieso überschneidet.

Als erstes erschien 2005 "Hidden Pleasures" von Rolando Random & The Young Soul Rebels. Das war wirklich ein verstecktes Vergnügen, denn dieses Meisterwerk von punk- und soul-inspiriertem Ska und Reggae hat garantiert weniger Hörerinnen und Hörer gefunden als es verdient hätte. Noch gibt es sicher einige Exemplare zu kaufen, bevor ihr euren Enkeln erklären müsst, wie dieses Album an euch vorbeiziehen konnte.

.

Jahresrückblick 2005 von Robert KneschkeJahresrückblick 2005 von Robert KneschkeMit einem neuen Sänger überraschten The Special Guests feat. Willie Ocean und legten parallel dazu ihre neue CD "Suspicios Delicious" vor. Auch hier ist der Name Programm. Etwas schnellerer Ska mit der whiskeygeschwängerten Stimme, wie sie nur ein in Würde gealterter Pirat haben kann. Dabei ist dieser Typ Sportler... Ebenfalls in jede gut sortierte Ska- und Reggae-Sammlung gehört "Off The Hook", das Ska-Album, auf dem Wood In Di Fire vor allem Jazz-Standards aufpolieren.

Stichwort aufpolieren: Mit seinem Projekt "ReComposed" sollte Matthias Arfmann eigentlich den Preis für die beste Nachwuchsförderung im Klassikbereich erhalten. Der Produzent nahm sich klassische Werke von Tschaikowsky (Schwanensee), Beethoven (Neunte Sinfonie) oder Wagner (Der fliegende Holländer) und motzte sie zu szenebarfähigen Dub-Stücken auf. Wer nach dieser CD noch meint, Klassik sei nicht mehr zeitgemäß, möge als Strafe dem Gesamtwerk von Phil Collins ausgesetzt werden - mehrmals hintereinander.

Robert Kneschke

 

Cd(s) bei amazon.de kaufen bzw. vorbestellen...

 

 

 


 

Powered by form4

Bei Fragen, Anregungen oder Beiträgen eMail an info@bloom.de.
Für die Richtigkeit der oben stehenden Artikel übernehemen wir keine Gewähr.