 Humor haben die Mondsüchtigen allerdings auch, wenn sie einen reißenden Fluss geweint haben wollen, unter anderem. Da wird ein Jazz-Standard zum stilisierten Kasperkram.
Gewaltige Stimme tritt über Ufer, Dämme bersten, Pathos regiert: “Cry Me A River“. Etwas gezügelter kann der Gesang dann als “Glenn Danzig“-Imitation interpretiert werden. Diese Stimme ist teils angenehm, wenn Loonatikk etwas melodienstarke “Misfits“-Manieren auffahren, dann wieder ulkig, bisweilen störend. Auf Album-Länge nur zu ertragen, wenn Lucifugen und Geknödel à la Ian Astbury zur täglichen Hör-Gewohnheit gehören. Oft bricht das Stimmband-Vibrato los, direkt Richtung Belzebub, ebenso häufig in die Nähe schmierig grinsender Crooner gern gemiedener Cocktail-Etablissements gehobener Langeweile.Was besonders zu gefallen weiß, ist rhythmischer Abwechslungsreichtum. Loonatikk paaren ihren Rock mit den Rhythmen des südlichen Amerika, mischen Metallisches mit etwas komplexeren Perkussionsmustern. Viel weniger brachial als die Ex-Todesmetaller von “Sepultura“, mehr verzierend. Altgediente, wie “Santana“, dürfen kurz aufblitzen, ebenso öffnet Loonatik Swing und Lounge Sounds die Pforten. Alles purzelt in einen beinahe schon stark befremdlich-freundlichen Rockschwall. Clave statt Klage, birgt, für Hard Rocker, eine stilvolle Zusammenführung, kein plumpes Cross-Over-Experiment. Lediglich einige Blues und Heavy-Floskeln wären verzichtbar gewesen. So ein abgestandenes “Gary Moore“-Riff etwa. Oder sollen damit leichtfüßige Arrangements geerdet werden?
Auf die lebendigen Rhythmen möchten Loonatikk nur selten verzichten. Gerade diese tönen wohlig zwischen verzerrten Gitarren und pompösem, extrovertierten Expressionsgesang. Cha-Cha, Salsa, Bossa statt Uffta-Uffta.
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