 Bei anderen CDs fällt die Einschätzung schwerer. "Genius & Friends" ist so ein Album. Schon am Titel ist erkennbar, dass die CD an das Album "Genius Loves Company" von 2004 anknüpfen sollte. Das war zwar finanziell sehr erfolgreich, weil es um den Tod von Ray Charles veröffentlicht wurde, aber musikalisch blieb die Sammlung von Duetten hinter Klassikern wie "Modern Sounds In Country and Western Music" zurück. Ähnlich ergeht es der aktuellen CD. Auch sie präsentiert nur Duette, insgesamt vierzehn, unter anderem mit Angie Stone, Mary J. Blidge, Diana Ross, George Michael oder Alicia Keys.Am eindruckvollsten sind die schnelleren Soul- oder Gospelsongs und einige R&B-Nummern, wie "You Are My Sunshine" mit Chris Isaak, "You Were There" mit Gladys Knight oder "Surrender To Love", ebenfalls herausragend ist das Duett "Busted" mit dem Countrysänger Willie Nelson, weil es als Live-Aufnahme rauer klingt und ausnahmsweise mal nicht um Liebe, sondern um eine Männerfreundschaft geht. Dagegen sind andere Songs nur schwer zu ertragen. So wagt sich Ray zusammen mit Ruben Studdard und den Harlem Gospel Singers an "Imagine" von John Lennon und erdrückt das fragile Stück durch das Überladen mit Pathos, ähnlich ergeht es "America The Beautiful", für das Alicia Keys als Zweitstimme herhalten musste. Beim Duett mit Diana Ross für "Big Bad Love" (aus dem Film "The Favor" von 1994) stören vor allem die 80er Jahre-Synthesizer, dafür ist das Ende sehr amüsant. Nachdem Ray ein letztes Mal den Refrain "You Are My Big Bad Love" singt, meint Diana Ross trocken "You say that to all the girl, Ray" und der Frauenheld lacht nur kurz auf. Herrlich und besser als der gesamte Song! Insgesamt sind einige nette Songs auf der CD enthalten, aber die Frage, ob sich eine Anschaffung lohnt, stellt sich nur harten Fans, die den Rest schon haben. Den Einsteigern sei eher der Soundtrack zum Film oder die alten Album von Atlantic Records empfohlen.
Robert Kneschke
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