 Die österreichische Reggae-Band Cheesevibes hat mit ihrem ersten Alben "Hop & Drop" erstaunlicherweise geschafft, diese Kluft sehr elegant zu überbrücken. Der deutschsprachige Text des ersten Songs macht gleich klar, aus welcher Gegend die Band kommt, doch wenn die Wiener den englischen Refrain anstimmen, klingt es, als hätten sie sich paar Jamaikaner importiert. Mit zehn Leuten in der Band ist es nicht verwunderlich, dass auch Cheesevibes etwas überladen klingen, oft die Bläser für Verzierungen bemühen und sogar vor Kinderspielzeug als Instrument nicht Halt machen.Doch vor allem die rauen, ungeschliffenen Stimmen der beiden Volleyballer Tombo und Peter Gartmayr, kombiniert mit häufiger Nutzung des afrikanischen Call-and-Response-Prinzips ergeben den nötigen Kontrast, um die Songs nicht in UB 40-Kitsch absacken zu lassen. Dass sie europäischen Reggae nicht als Widerspruch betrachten, machen die Brüder im Song "Musik meiner Kultur" deutlich und vor klaren Worten schrecken sie auch in den anderen Liedern nicht zurück. "Example" und "Sitzplan" sind zum Beispiel Beschreibungen und Anklagen von rassistisch diskriminierenden Praktiken in Österreich, quasi als Ausgleich gibt es aber auch Partysongs oder Plädoyers für Ruhe und Entspannung ("Unter diesen Umständen"). So entsteht ein im besten Sinne weltmusikalisches Album mit fröhlicher, entspannender Musik, das trotzdem ein soziales Gewissen hat. Kann ich mir mehr wünschen?
Robert Kneschke
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