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Im Juli 1994 erschien mit Portisheads "Dummy" die Scheibe, die wohl den Trip-Hop-Boom auslöste, den Massive Attacks "Protection (ihr "Blue Lines"-Album von 1991 war wohl der eigentliche Erstling dieser Richtung), Trickys "Maxinquaye" (allesamt aus der Ecke um Bristol) und Morcheebas "Who can you trust" dann richtig anfeuerten. Leider erfüllte keine der Bands in irgendeiner Art und Weise die Hoffnungen, diesen Boom zu richtiger Größe zu führen; Morcheeba drifteten mit jeder Scheibe weiter in Richtung Pop, was Massive Attack ihnen mit "Mezzanine" recht erfolgreich vorgemacht hatten, bevor diese ganz auseinanderfielen (das etwas wirre "100th Window" ist mehr ein Soloprojekt von 3D). Dagegen verlor sich Tricky scheinbar im Wahnsinn (was seine Platten leider ähnlich interessant macht wie Sly Stones im Drogenwahn entstandene Werke nach 1973, nüchtern einfach schwer bis gar nicht verdaulich) und Portishead verharren seit ihrer genialen zweiten Scheibe von 1997 musikalisch im Stillstand (und ich kenne "PNYC" und Beth Gibbons "Out of Seasons"). Kurz, nach "Portishead" von 1997 erlosch die Flamme des TripHop, einer sowieso nie ganz zu konkretisierenden Bezeichnung, auch weil plötzlich jede Band die etwas auf sich hielt, TripHop-Einflüsse in ihrer eigenen Musik ausmachen konnte. .
 Und von allen Ländern ist es ausgerechnet Dänemark, das uns mit Amstrong seit 1998, eine der wenigen Bands, die wohl das Label TripHop verdienen, und die neben Laika wohl der konsequentesten Vertreter düsterer Musik zu abstrakten Dance-Beats ist. Mit dem Debut "Sprinkler" lösten die Dänen seinerzeit all die Versprechen ein, die die oben erwähnten Engländer gegeben hatten. Sängerin Marie-Louise Muncks klare, helle und sparsam eingesetzte Stimme war der ideale Gegensatz zu den düster unterkühlten Klängen, die stilgerecht von schleppenden HipHop-Beats unterlegt wurden. Vom groovigen Opener "Everyday" über "Iced", auf das Tricky stolz gewesen wäre, bis hin zum düster dräuenden "Silence is never nothing" ist jedes Stück der Scheibe ein Anspieltipp. .
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Nach zahlreichen begeisterten Kritiken auch in England und Amerika schon als Nachfolger von Portishead auserkoren, schien die Band auf dem Weg zu internationalem Ansehen, auch wenn die Musik definitiv zu sperrig für ein Massenpublikum war.Leider ging kurz nach der Veröffentlichung des Nachfolgers "Hot Water Music" 2001 die Vertriebsfirma Clearspot pleite und so blieb dieses stellenweise noch sperrigere Werk im englischsprachigen Raum völlig unbeachtet. Völlig zu Unrecht, denn die Scheibe ist ähnlich stark wie das Debüt. Zwar sind die Tracks insgesamt kompakter, jedoch immer noch weit von traditionellem Songwriting entfernt. Die Band verbindet angenehme Gesangsmelodien hier mit Orchesterbegleitung und mal mit düsterem Noise, mal mit untanzbar verfremdeten Dance-Elementen zu einer Mischung, die seinem in ihrer sperrigen Art abschreckt, sich in ihrer Intensität aber auch unaufhaltsam aufdrängt. .
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Aber wie verkraftet eine Band solche Rückschläge? Nun, sie arbeiten im stillen Kämmerchen, bis sie genug Songideen beisammen haben, dann suchen sie einen ihrer Meinung nach geeigneten Produzenten, den sie in Malcolm Burn finden, um nach dessen Begeisterung für das vorhandene Material dann mit ihm die Platte fertig zu produzieren.Und auch wenn die allerersten Töne von "Lack of you" noch ganz eindeutig nach Amstrong klingen, so zeigt der Opener "To be kind" doch auch bereits, dass ein gewisser Wandel stattgefunden hat, denn der Song hat unbestritten einen Refrain, ein Gitarrensolo und ist noch ein wenig textlastiger als die Titel des Vorgängeralbums. Denn dienten auf den Vorgängern die Lyrics noch mehr als Unterstreichung der dunklen durch die Musik erzeugten Stimmung, so hat die Band diesmal quantitativ mehr, dafür aber auch weit weniger originelles Wortwerk im Gepäck ("Love is the winner", "Everywhere"). Die Tracks sind erneut kompakter geworden, lediglich der Titelsong kommt an die Sechsminutenmarke heran, und auch wenn weiterhin eine düstere Grundstimmung vorherrscht, die verschleppten Beats weiter präsent sind, wirkt die Band doch um ein paar weitere Kanten gegenüber dem Vorgänger beraubt, dafür aber auch stellenweise deutlich gitarrenlastiger. Das ist auch alles gar nicht schlecht, nur klingt die Band nun über weite Strecken etwas austauschbarer als noch auf den beiden ersten Alben. Einige Titel sind durchaus radiokompatibel und "Jonah" hat sogar gewisse Indie-Hitqualitäten. Ja, darf man es einer Band übel nehmen, dass sie nach langen Jahren als Geheimtipp den Spagat zwischen Kunst und Kommerz versucht? Wahrscheinlich nicht und "Lack of you" ist ja auch noch weit besser als 95% der Neuheiten, die ich mir in den letzten beiden Monaten anhören durfte und musste. Wenn ich oben auch insgesamt ein wenig kritisch klinge und mir die Scheibe auch weniger gefällt als die Vorgänger, sie ist einfach anders gut als die Vorgänger. Im Bereich TripHop ist die Band auch zur Zeit konkurrenzlos. Dominik Engel
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