 Sprach ich aber für die DVD noch eine Empfehlung aus, muss ich bei den CDs zurückhaltender sein. Ohne die Interviews müssen die Tracks für sich allein stehen und da wackeln dann doch viele. Doch kurz ein Schritt zurück: "Rap City Berlin" versucht sich an einem Überblick über die gesamte Berliner Rap-Szene. Nicht mehr und nicht weniger. Ich hoffe ganz stark, dass die Auswahl nicht repräsentativ ist, denn dann ginge nur einer (1!) von 42 Tracks (das wären 2,4 Prozent!) aus der deutschen Hauptstadt tiefer als der kurze Schwanz eines 16jährigen in die Fotze einer Nutte.Wer jetzt schon über die Wortwahl erschrickt, der sollte die beiden CDs auf keinen Fall hören, dann das Fäkalvokabular wird hier in jeder zweiten Zeile bemüht. Es geht um willige Weiber, die auf jede erdenkliche Art gefickt werden und immergeile Gangster, die sich gegenseitig vorwerfen, dass alle anderen HipHop nur als Spiel sehen, während sie die wahren Verfechter eines illegalen und drogenverschlingenden Lebenstils sein. Was hier schon komisch klingt, klingt auf der CD oft einfach nur schlecht, zu hören beispielsweise auf dem Track von Big P und Konsorten. Die erwähnte Ausnahme, der eine unter vielen, heißt Damion Davis und nutzt seinen Track auf der CD, um das nachzuholen, was im auf der DVD nicht gegönnt wurde: Mal etwas mit Inhalt zu sagen, und das sogar humorvoll verpackt: "Ich weiß, dass ihr Aids kriegt mit gutem Gewissen / wenn ich in Interviews höre, wie viel Crews sie zerficken / warum seid ihr nur so aggro drauf / wenn ihr den ganzen Tag nur chillt und Blunts anbaut? / und wenn ihr gern die anderen haut / wie wär's, wenn ihr das Mic gegen 'nen Sandsack tauscht?" Auf der CD eingeklemmt zwischen einem Macho-Track und dem Bruder von Kool Savas gibt es kaum eine bessere Stelle, an der er diese Reime hätte loswerden können. Doch ironischerweise ist damit selbst Damions Track ein Battle-Track, der sich nur von der Aussage, nicht aber dem Thema unterscheidet. Deshalb langweilen die beiden CDs schnell, wenn es auch viele gute, geile Beats gibt (z.B. von Beatzarre), die als Instrumentalversion sicher mehr Erfolg hätten. Denn dass viele der Songs exklusiv sind, heißt manchmal nichts anderes, als das sie bisher in der Schublade verstaubten, weil sie keiner haben wollte. "Rap City Berlin" ist deshalb höchstens geeignet, um Freunden aus Süddeutschland Angst vor Berlin zu machen, seine Oma zu schocken oder zur Drogenprävention, weil nach dem CD-Kauf kein Geld fürs Gras mehr übrig bleibt.
Robert Kneschke
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