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Buch - Antifolk. Von Beck bis Adam Green (August 2005) 

14.08.2005

Antifolk? Was, bitteschön, soll Antifolk sein? Das fragte ich mich beim Anblick des Buches, in dem eben genau dieser Frage nachgegangen wird. Dabei stellt sich heraus, dass ich anscheinend schon längst ein Antifolk-Fan gewesen bin. Ich wusste es nur nicht. Denn klampfende KünstlerInnen wie Herman Düne, Diane Cluck, Ben Kweller, Coco Rosie oder eben die im Titel genannten Beck und Adam Green gehörten längst zu meiner Plattensammlung.

Buch - Antifolk. Von Beck bis Adam Green (August 2005)Buch - Antifolk. Von Beck bis Adam Green (August 2005)Was der Autor Martin Büsser deshalb versucht, versuchen muss, ist, einen roten Faden, das verbindende Element zwischen all diesen und noch vielen anderen, viel unbekannteren Musikern zu finden. Das gelingt ihm, indem er mehrere Deutungsstränge aufgreift. Zum einen die hinlänglich bekannte Tradition der us-amerikanischen Folksongs seit den 1950er Jahren, die durch sozialistisch angehauchte Musiker wie Pete Seeger, Woodie Guthrie oder auch Bob Dylan geprägt wurde.

Doch wenn sich heute jemand mit der Akustikgitarre an friedensbewegten Liedern versucht, wäre das vielleicht ein Folk-Revival, aber noch lange kein Antifolk. Den zweiten Deutungsstrang sieht Büsser deshalb in einer leider etwas schwammig gehaltenen Gefühlsdusselei der Bands. Heutige Antifolk-Bands wie die Moldy Peaches oder Jeffry Lewis würden in ihren Texten schonungslos offen ihre Gefühle darlegen, ihre Zweifel und Unsicherheit und sie damit verletzlich und angreifbar erscheinen lassen.

Andere Antifolk-Elemente sollen die unabhängigen Herstellungs- und Vertriebsstrukturen der Alben sein, die meist nur auf CD gebrannt und im Freundeskreis verteilt existieren. Zumindest Anfang der 90er Jahre kam noch der gemeinsame Treffpunkt im New Yorker Sidewalk Café hinzu, das jedem angehenden Künstler oder jeder Künstlerin Platz auf der Bühne zum Ausprobieren bot. Stellenweise sieht Büsser sogar Dilettantismus, schrägen Gesang oder falsch gespielte Instrumente als Ausdrucksform des Antifolk an, kann das aber schlecht von jenen Musikern abgrenzen, die gut musizieren wollen, es aber einfach nicht können.

Das Gute an Büssers Buch ist, dass er damit vielen spannenden Musikerinnen und Musikern Gehör verschaffen kann, die sonst im Musikgeschäft höchstens als kurzfristige Randerscheinung aufblitzen würden. Was das Neue an der Antifolk-Szene sein soll, erschließt sich durch das Buch jedoch nicht ganz, denn die oben genannten Merkmale lassen sich seit langem - auch in Deutschland (Siggi Stern, Krankheit der Jugend, ...) - finden. Spätestens aber seit der Erfindung des CD-Brenners.

Robert Kneschke

http://www.ventil-verlag.de

 

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