 Wer die dezenten kleinen Hinweise wie die Gültigkeitsdauer der Fahrscheine übersieht, würde nie darauf kommen, dass die fünf Jungs (drei MCs, ein DJ, ein Beat-Bastler) aus der Hauptstadt kommen. Stattdessen würde das Konzeptalbum, das Storytelling, der leichte Anflug von Humor eher auf Hamburg deuten. Doch dass Berlin immer wieder Rapper und Alben hervorbringt, die sich kaum in vorhandene Kategorien einordnen lassen, zeigt nur einmal mehr, wie aufnahmefähig und tolerant die Einwohner diese Stadt mit Kreativität umgehen.So sind elf Tracks entstanden, die Konsumkritik üben, eine Party beschreiben, die Großstadt huldigen, den Sommer besingen, über einen Liebesakt reimen und so weiter. Dabei verbinden sich entspannte Lyrics mit innovativen Beats, wie sie sonst nur Moabeat oder Kanye West hinbekommen. Vom Berliner HipHop wurde vor allem die unterschwellige Homophobie und die zu platten Versuche, Politik zu analysieren, übernommen. Die führt zu peinlichen Zeilen wie "Politik wird zur Show so wie Boxen, dort gibt's so viele Fotzen, die gehören eigentlich in den Bau" oder "Es ist nicht zu fassen, wie viel Geld ein jeder Scheich hat". Und wenn die Rapper bei einem Banküberfall ein "Sonderkommando des BND" herbeireimen, dann frage ich mich, ob sie nicht Nachrichtendiensten mit Spezialeinsatzkräften verwechseln. Immerhin sind Flexevil in bester Gesellschaft, denn für verkürzte Politikanalyse sind ja schon Mia. bekannt, die wie Flexevil auf dem Label R.O.T. erscheinen. Doch darüber kann hinweggesehen werden, wenn uns die Jungs dafür ein Album bescheren, was so viel Spaß macht. Wenn dann noch am Inhalt gefeilt wird, kann aus Flexevil was Großes werden.
Robert Kneschke
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