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Verstärker - b-seiten 

14.06.2005

Das ist eine der CDs, die es einem nicht einfach macht. Aber keine Angst, dass hier ist kein Avantgarde-Krachpunk á la Alec Empire oder ins Unendliche abdriftende Minimal-Soundcollagen á la Kluster oder AMM, sondern trotzdem angenehm hörbar.

Verstärker - b-seitenVerstärker - b-seitenDie "b-seiten", die in der ersten Minute noch so klingen, als gäbe es hier chillige Elektro-Beats à la Massive Attack oder Tricky zu hören, zeigen schnell, dass sie schneller aus Beschreibungen ausbrechen als sie einzuordnen sind. Schon in der zweiten Minute entsteht durch das einsetzende, leicht jazzige, Schlagzeug der Eindruck, hier wären junge Popper am Werk, doch sobald dieser Vergleich gefunden ist, wird der Verzerrer an der Gitarre betätigt und die Elektronik wieder ins Spiel gebracht. Ironischerweise heißt dieser Track "Die neue Traurigkeit" und hört sich kaum traurig an.

So geht es auch weiter. Beim zweiten Song mit dem englischen Titel "Storm" gibt es erstmals Gesang zu hören, aber auf deutsch, stark verfremdet und wieder musikalisch schwer einzuordnen. Für Rock zu schluffig, zur Pop zu spröde, für Elektro zu analog, für Chill-Out zu schnell, für Avantgarde zu eingängig.

Die Tracks 5-8, "Solaris I" bis "Solaris IV" betitelt, erinnern an Ambient, sehr flächige Padmelodien, die im Verlaufe der Tracks aber mit zunehmend komplizierteren Schlagzeugrhythmen aufwarten, die dann bei "Solaris IV" in einem erstaunlich unaggressiven Drum'n'Bass-Sound münden.

Danach folgt eine Track-Serie, die "Einschlafen", "Träumen", "Träumeln" und "Aufwachen" benannt ist. Dazu kann wirklich geschlafen und geträumt werden, wer Vergleiche braucht, versucht sich die Bonus-CD "Underwater" von Moby mit einem sehr warmen, weichen Schlagzeug vorzustellen.

Zum Schluss des Albums wird noch mal die Distortion-Gitarre rausgeholt und gerockt. Aber nur vorsichtig und die rhythmische Passagen wechseln sich mittlerweile erwartungsgemäß mit fasrigen Stellen ab, damit ja nicht der Eindruck entstehen könnte, es könne ein Song klar kategorisiert werden.

Nach fast 79 Minuten kratze ich mich am Kopf und überlege, was mir diese Musik sagen will. Sie ist eindeutig hörbar. Gut hörbar. Aber selbst wer konzentriert zuhören will, verliert nach paar Minuten und sehr ruhigen Stellen die Geduld, schweift ab und wird von einem neuen Instrument, einem neuen Rhythmus oder einer neuen Melodie wieder zur Aufmerksamkeit gedrängt.

Vielleicht ist diese Musik für Drogen gedacht, die ich nicht konsumiere, oder so eine Art "Hintergrundmusik für Intellektuelle". Wer Interesse hat, sollte sich mindestens eine Stunde Zeit zum Reinhören nehmen. Oder soll das Album einfach nur Interesse auf die "a-seiten" wecken?

Robert Kneschke

http://www.meinverstaerker.de

 

 

 

 


 

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