 Woran es gelegen hat? Ist ganz einfach; immer wenn nach ein paar Raketenstartsoundeffekten und sphärischen Synthieflächen die Rhythmussektion den Opener "Blow" auf die Reise schickt, treibe ich zunächst in der spacigen Melancholie voller melodischer Ziselierungen auf eine infernalische Musiksupernova zu, aus deren Geburtswehen sich der Song quasi in der Vollendung eines perfekten musikalischen Spannungsbogens erneuert, bevor er zu einem friedlichen aber viel zu frühen Ende findet. Alles was nach diesen wahnsinnigen neun Minuten kommt, ist dann eigentlich nur noch Kür; seit Archives "Londinium" gab es wohl keinen so perfekten Einstieg in eine CD mehr. Und wie damals ist diese Kür alles andere als ein lieblos heruntergespultes Pflichtprogramm; die Belgier präsentieren beim Schaulaufen vom krachigen Punk ("Mine") mit deftigen Texten über verschieden Rock ("Til you faint") und Pop ("Sweet Love")-Spielarten bis zu dezentem klavierlastigen Art-Rock ("21st century Crooners" erinnert wohltuend an die erste Renaissance-Scheibe) eine schier unglaubliche Bandbreite auf hohem Niveau, bevor sich das Quintett mit "Horse" und "Sea-Side Friends" dezent psychedelisch verabschiedet. Selten war der Ausdruck Freigeist in einem Promoinfo gerechtfertigter, selten hat eine CD auch beim 126. Hören noch mehr Spaß gemacht. Und ich versichere, dass ich bei all diesen Durchläufen bisher keine einzige der etwa 3300 Sekunden übersprungen habe. Und genau deshalb kam ich auch keine Sekunde früher dazu, diese Review zu verfassen. Vergesst einfach alles, was man im Moment über die The Jam-Wiedergänger Maximo Park (ja, die ist ganz nett) oder die neuen Scheiben von Coldplay (ich bin sicher die wird gut) oder Oasis (ich bin sicher, die wird schlecht) lobhudelt. Kauft Ghinzus "Blow" und ihr habt bereits eines der Alben des Jahres im Schrank. Dominik Engel
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